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"Die LGT tut, was sie sagt"

30. Juli 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Sidi Staub, LGT

Thomas Wille

Der Anlagestratege Thomas Wille über Interessenkongruenz, Anlagegrundsätze und warum es sinnvoll sein kann, auch einmal davon abzuweichen.

Thomas Wille, was genau ist Ihre Aufgabe bei der Definition der LGT Anlagestrategie?
Als Leiter Research & Strategy ist es meine Aufgabe, für die LGT Privatbanken in Europa die Anlagestrategie bzw. die House View zu definieren. «House View» heisst: Welche Anlageklassen – Liquidität, Obligationen, Aktien oder Alternative Anlagen – bevorzugen wir und welche, Länder, Branchen und Währungen finden wir attraktiv? Wo sehen wir Chancen und wo die Risiken? Welche Segmente, beispielsweise Unternehmensanleihen USA oder Aktien Deutschland, sehen wir als besonders attraktiv oder unattraktiv an?

Wie wichtig ist denn die Anlagestrategie?
Verschiedene Studien zeigen: Die Anlagestrategie und Vermögensallokation ist für den Grossteil der Rendite eines Portfolios verantwortlich. Eine zweite wichtige Aufgabe von mir besteht deshalb darin, die Anlagestrategie zu kommunizieren – unseren Kundenberatern, unseren Portfolio-Managern und -Advisoren, aber auch unseren Kunden. Es ist von zentraler Bedeutung das diese kontinuierlich über unsere Marktmeinung bzw. unseren House-View informiert werden, weil ja die Strategie laufend neue Marktentwicklungen reflektiert.

Kunden können in die gleiche Strategie investieren wie die fürstliche Familie.

Sie haben in Ihrer Karriere für verschiedene Banken gearbeitet, unter anderem als Fondsmanager und Anlagestratege. Wie unterscheidet sich die LGT bezüglich ihrer Grundüberzeugungen beim Anlegen?
Die LGT zeichnet sich dadurch aus, dass sie tut, was sie sagt – und zwar nicht nur mit dem Geld ihrer Kunden, sondern auch mit ihrem eigenen Geld. Nicht zuletzt heisst dies auch, dass Kunden in die gleiche Strategie wie die Fürstliche Familie investieren können. Letztlich sitzen somit alle im gleichen Boot, sowohl wenn die Märkte steigen, als auch wenn sie fallen. Die daraus resultierende direkte Übereinstimmung der Interessen findet man im Private Banking sonst eher selten.

Eines der meistgenannten Anlageprinzipien dürfte wohl sein, dass man sein Vermögen breit auf verschiedene Anlagen diversifizieren soll. Wenn man aber überzeugt davon ist, dass beispielsweise eine bestimmte Aktie im Wert stark steigen wird, sollte man dann nicht im Gegenteil sein Vermögen auf diese Aktie konzentrieren?
Wenn man sich sicher ist, den künftigen Kursverlauf einer Aktie – und zwar nicht nur die Richtung, sondern auch den Zeitpunkt – präzise vorhersagen zu können, dann sollte man das vielleicht tun. Erfahrungsgemäss gelingt dies aber nur den wenigsten Anlegern, wenn überhaupt. Jeder, der solche Analysen durchführt, weiss, dass die Analyse zwar stimmen mag, man aber nie sicher sein kann, wie stark die Resultate bereits im Kurs eskomptiert sind oder wie lange es geht, bis sich eine richtige Erkenntnis im Markt durchsetzt. Und wenn das zu lange dauert, können sich in der Zwischenzeit neue Ereignisse ergeben, die man in der Analyse noch gar nicht berücksichtigen konnte. Wer dennoch sein Geld nur auf eine Karte setzt, sollte sich bewusst sein, dass seinem potenziellen Gewinn ein grosses Verlustrisiko gegenübersteht, wenn sich die Aktie entgegen den Erwartungen entwickelt.

Thomas Wille: Von Ineffizienzen profititeren
Thomas Wille: Von Ineffizienzen profititeren

Welche Vorteile bietet hier das Diversifizieren?
Diversifikation beruht auf dem Prinzip, dass sich verschiedene Titel unterschiedlich entwickeln und Verluste auf einem Titel durch Gewinne auf anderen Titeln kompensiert werden. Wenn man diesen Effekt systematisch ausnützt, erzielt man ein besseres Verhältnis von Gewinn und Risiko im Portfolio. Dies bedeutet aber nicht, dass man gar keine Schwerpunkte mehr setzt. Auch bei der Diversifikation kann man zu viel des Guten tun.

Und warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, Schwerpunkte zu setzen?
Es ist unsere Grundüberzeugung, dass die Finanzmärkte nicht immer effizient sind, weil Anleger oft nicht rational handeln. Das hat die sogenannte Verhaltensökonomie oder Behavioral Finance schon mehrfach gezeigt. Irrationales Anlegerverhalten führt zu Ineffizienzen, beispielsweise Kursübertreibungen nach oben oder nach unten. Unser Ziel ist es, solche Ineffizienzen zu eruieren und davon zu profitieren. Um mit einem solchen Ansatz Erfolg zu haben, muss man aber nicht nur überdurchschnittliche Analysefähigkeiten haben, sondern auch sehr diszipliniert vorgehen. Man muss sich bei jedem Kaufentscheid klare Kursziele und Verlustgrenzen setzen und diese konsequent befolgen. Und das ist psychologisch beim Anlegen wohl etwas vom Schwierigsten. Nicht zuletzt sollte man nicht stur sein, auch wenn man vom Nutzen des aktiven Anlagemanagements überzeugt ist. Insbesondere die grossen und sehr liquiden Aktienmärkte werden von Hunderten Analysten rund um die Uhr genauestens beobachtet. Hier ist es sehr schwierig, mit aktivem Management Zusatzrenditen zu erzielen. Wenn es im Interesse unserer Kunden liegt, dann nutzen auch wir kostengünstige passive Instrumente für diese Anlagesegmente.

Anlagestratege
Thomas Wille hat einen Masterabschluss der Universität St. Gallen in Finance und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als Fondsmanager und Anlagestratege. Als Head Research and Strategy leitet er seit 2016 das Anlage-Komitee für die LGT Privatbanken in Europa.

Bilder: Nadja Schärli

Marktinformationen unserer Research-Experten

Die LGT Experten analysieren laufend die globale Markt- und Wirtschaftsentwicklung. Unsere Research-Publikationen zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen unterstützen Sie dabei, fundierte Anlageentscheide zu treffen.

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