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„All-in“ – die Antwort der Politik auf Covid-19

20. August 2020

Lesezeit: 5 Minuten

von Calvin Ha, Investment Strategist, LGT

Die Reaktion der Regierungen auf Covid-19 gleicht einem Roulette-Spiel.

Ganz gleich welche Branche und welches Land – die Pandemie hat in der Wirtschaft überall ihre Spuren hinterlassen. Darauf reagieren die Regierungen mit unterschiedlichen Unterstützungsmassnahmen. Wir geben einen Überblick.

Seit März gilt sie laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Pandemie: Das als Covid-19 bekannte Coronavirus hat seither eine humanitäre und gesundheitspolitische Krise ausgelöst, die mehr als 200 Länder erfasst. Durch die vielfach verhängten Lockdowns und Eindämmungsmassnahmen kam es zu einer "Vollbremsung" der wirtschaftlichen Entwicklung.

Der Welthandel ist durch den Nachfrageeinbruch und die Störungen der Lieferketten ernsthaft beeinträchtigt. Die Arbeitslosigkeit bleibt weltweit auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten. Tourismus, Freizeit, Unterhaltung – in diesen Branchen sind die Folgen besonders deutlich. Die Pandemie hat sozusagen alle Branchen und Wirtschaftsbereiche erreicht.

Covid-19: Viele Länder befinden sich in einer Rezession

Tatsächlich zeigt das untenstehende Diagramm des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass sich 80% aller Länder in einer Rezession befinden – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1871. Daher ergreifen die Länder noch nie dagewesene Massnahmen, um die Folgen der Krankheit einzudämmen. Das versuchen sie mit einer Kombination aus massiven Steuererleichterungen und lockererer Geldpolitik, sowie mit Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Schaubild von Ländern in der Rezession seit 1900 bis zur Krise um Covid-19.

Wie die USA ihre Wirtschaft unterstützen

Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Schäden verabschiedete die US-Regierung im März 2020 ein Finanzpaket in Höhe von 2,2 Billionen US Dollar – das entspricht etwa 11% des Bruttoinlandproduktes. Weitere Stimulierungsmassnahmen werden diskutiert, da Ende Juli die Notfall-Unterstützung des Bundes für Arbeitslose ausgelaufen ist.

Die wichtigsten Lockerungsmassnahmen in der Geldpolitik umfassen die Senkung des Leitzinses der US-Zentralbank um 150 Basispunkte auf 0-0,25 Basispunkte im März sowie die Einführung verschiedener Kredithilfen zur Unterstützung der Kreditvergabe. Diese Massnahmen zielen unserer Ansicht nach darauf ab, Arbeitsplatzverluste zu begrenzen und zu verhindern, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen in Zeiten wirtschaftlicher Verwerfungen in Konkurs gehen.

Die Massnahmen der EU

In Europa einigte sich der Ministerrat am 21. Juli auf den Nothilfefonds Next Generation EU (NGEU), der insgesamt 750 Milliarden Euro bereitstellt. Finanziert wird er durch Kreditaufnahmen der EU. Der Fonds soll 390 Milliarden Euro an Zuschüssen und 360 Milliarden Euro an zinsgünstigen Darlehen verteilen. Unseres Erachtens ergänzt er massgeblich die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Bekämpfung des Virus. In Europa und die Vereinigten Staaten erreichen die auf Covid-19-bezogenen staatlichen Hilfen so mehrere Billionen US Dollar.

Schlüsselfrage: Gibt es Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft?

Betrachtet man im bisherigen Jahr alleine die Entwicklung der Aktienmärkte und anderer risikobehafteter Anlagen, so könnte man auf den ersten Blick meinen, dass das "Schlimmste hinter uns liegt". Eine mögliche Erklärung für die Widerstandsfähigkeit der Aktien im Jahr 2020: Die Finanzmärkte könnten die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 bereits eingepreist haben, was die Weltwirtschaft wieder in den Zustand vor der Pandemie "zurückversetzen" würde.

Diese Ansicht wird durch folgende Beobachtungen untermauert: In den Regionen, in denen Lockdowns und andere Eindämmungsmassnahmen aufgehoben wurden, holen Konsumenten und Unternehmen offenbar die nicht getätigten Einkäufe nach. Die Einzelhandelsumsätze steigen zum Beispiel wieder sehr schnell an. Andererseits wird das Ende der Eindämmungsmassnahmen auch mit einer "zweiten Welle", dem Wiederaufflackern von Covid-19, in Verbindung gebracht. Es bestehe die Gefahr, dass die Behörden regional gezwungen seien, Social Distancing und andere Massnahmen zur Eindämmung wieder einzuführen; und ein abermaliger Stopp könnte einen Rückschlag für die wirtschaftliche Erholung bedeuten.

Unsere Einschätzung zu den unterstützenden Massnahmen

Unserer Ansicht nach sind die Billionen, die für wirtschaftliche Unterstützung und geldpolitische Lockerungsmassnahmen ausgegeben wurden, zwar notwendig, doch sie alleine reichen nicht aus, um die gegenwärtige Gesundheits- und Wirtschaftskrise zu beenden. Kurz gesagt: Mit den Massnahmen scheint man sich Zeit für die Erholung der Weltwirtschaft zu "erkaufen", während wirksame Impfstoffe entwickelt und getestet werden – bevor sie überall auf der Welt zur Verfügung gestellt werden. 

Wir erwarten zudem, dass die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik so lange wie nötig beibehalten. Die Herausforderungen rund um die staatlichen Budgets sind jedoch grösser. Der derzeitige Patt in Washington DC hinsichtlich des Umfangs und Zeitpunkts des nächsten Rettungspakets ist nur eines von vielen Zeichen dafür, wie komplex die Situation tatsächlich ist.

Weitere Insights und Informationen

Als einer der Research Experten der LGT beobachtet Investment Strategist Calvin Ha von Hong Kong aus die globalen Märkte. Weitere Insights zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen finden Sie unter:

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