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Wahl-Update USA: Wie die Finanzmärkte die Unsicherheit bewältigen

9. November 2020

Lesezeit: 4 Minuten

von Investment Services, LGT Bank (HK)

Blue travel

Unsere Finanzmarktexperten veröffentlichen hier regelmässig Analysen zu den US-Präsidentschaftswahlen 2020.  

+++ 9. November 2020 +++

US-Wahl 2020: Eine Woche voller Ereignisse

Führende Leitmedien in den USA gehen davon aus, dass der ehemalige Vizepräsident Joe Biden die erforderliche Schwelle von 270 Stimmen im "Electoral College" überschreiten und damit der nächste Präsident Amerikas werden wird.
Die Wahl des neuen Präsidenten soll am 6. Januar vom Kongress offiziell bestätigt werden, die Amtseinführung am 20. Januar 2021 folgen. Derzeit lässt allerdings der amtierende Präsident, Donald Trump, in einer Reihe von Bundesstaaten die Wahlergebnisse vor Gericht anfechten. Der Markt räumt dem aber keinen wesentlichen Einfluss auf das Endergebnis ein. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Bundesstaat Georgia, wo am 5. Januar das Rennen um zwei Sitze im Senat entschieden wird. Sollten beide an die Demokraten gehen, würde sich das derzeitige Blue-Tide-Szenario (Demokraten und Republikaner teilen sich die Macht im Kongress) in eine "Blaue Welle" (Demokraten kontrollieren das Weisse Haus und beide Kammern des Kongresses) verwandeln. Gemäss unserer Einschätzung sollten Investoren sollten aber weiter davon ausgehen, dass die Republikaner in den kommenden zwei Jahren den Senat halten werden.

Die Aufmerksamkeit des Marktes richtet sich wieder auf die Fundamentaldaten: z.B. auf die laufende Gewinnsaison für das dritte Quartal 2020 und die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie.
Was erstere betrifft, so haben laut JP Morgan etwa 80% der Unternehmen im S&P 500 ihre Ergebnisse gemeldet, wobei 76% ihre Schätzungen der Gewinne pro Aktie übertroffen haben. Die Gesamtgewinne in den USA sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7% zurückgegangen. In Europa führen die sich ausweitenden Restriktionen zur Bekämpfung der Pandemie dazu, dass die BIP-Wachstumsschätzungen für das vierte Quartal wieder in den negativen Bereich fallen. Die Beschleunigung der Neuinfektionen in den USA erhöht ebenfalls das Risiko weiterer Eindämmungsmassnahmen. Unseres Erachtens setzt der Markt grosse Hoffnungen auf die kurzfristige Verteilung eines sicheren und wirksamen Impfstoffs – während die nachlassenden politischen Risiken in den USA wohl ein konstruktiver Faktor für riskante Anlagen sind, könnten Enttäuschungen an der Impfstofffront für neuen Gegenwind sorgen.

Stefan Hofer, Chef-Anlagestratege, Private Banking Asien
Wilson Cheung, Anlagestratege, Private Banking Asien

+++ 5. November 2020 +++

US-Wahl 2020: eine (weitere) Überraschung in Sicht?

Rednerpult des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.
Photo: © American Photo Archive, Alamy.

Über Nacht wurden Medienberichte laut, nach denen der ehemalige Vizepräsident Joe Biden die umkämpften Bundesstaaten Michigan und Wisconsin gewonnen hätte.
Damit geht Präsident Trumps demokratischer Herausforderer gemäss den Stimmen im Wahlgremium "Electoral College" in Führung. Somit gewinnen auch wieder die Einschätzungen am Markt die Oberhand, die mit einem Machtwechsel in Washington DC rechnen. Derzeit müssen noch sechs Staaten ausgezählt werden, aber das neue Ausgangsszenario ist den meisten Marktteilnehmern folgend die sogenannte "Blue Tide". Demnach haben die Demokraten die Kontrolle über das Weiße Haus und das Unterhaus im Kongress, die Republikaner behalten aber den Senat.

Es versteht sich von selbst, dass diese Entwicklungen von einigen Auseinandersetzungen begleitet werden.  Medienberichten zufolge haben die Republikaner in mindestens einem Bundesstaat Klagen eingereicht. Forderungen wurden laut, die weitere Stimmenauszählung auszusetzen, insbesondere die der Briefwähler.  Es bleibt abzuwarten, wie sich diese offene Situation entwickelt und ob sich die Verkündung des endgültigen Wahlergebnisses von 2020 um Tage oder gar Wochen verzögern wird.

Nach derzeitigem Stand bedeutet der Erfolg der Demokraten unserer Ansicht nach Folgendes: einen moderaten fiskalischen Impuls, keine wesentlichen Änderungen des Körperschaft- und Einkommenssteuergesetzes und begrenzte neue Gesetzesinitiativen (aufgrund der Konstellation in Ober- und Unterhaus). Da größere Gesetzesänderungen jetzt weniger wahrscheinlich erscheinen, kann dies - paradoxerweise - als positiv für die Märkte angesehen werden, da per definitionem weniger Unsicherheit für die Anleger besteht. Dadurch könnten US-Aktien mittelfristig positiv tendieren. Auf jeden Fall ist der Kampf ums Weisse Haus derzeit noch lange nicht zu Ende, weitere Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

Stefan Hofer, Chef-Anlagestratege, Private Banking Asien
Wilson Cheung, Anlagestratege, Private Banking Asien

+++ 4. November 2020 +++

US-Wahl 2020: kommt es zu einem überraschenden Ausgang?

Photo: © hermosawave, istockphoto.com.

Nach dem Stand von heute Morgen scheint sich das an den Finanzmärkten favorisierte Szenario eines Machtwechsels hin zur Demokratischen Partei in Washington DC nicht unbedingt zu bewahrheiten.
Während eine Reihe von umkämpften Schlüsselstaaten (Georgia, North Carolina, Pennsylvania, Michigan usw.) noch keinen formellen Sieger prognostiziert haben, deutet vieles darauf hin, dass der Status quo insgesamt erhalten bleibt. Das heisst, dass Präsident Trump – im krassen Gegensatz zu den meisten Meinungsumfragen im Vorfeld der Wahl – eine zweite Amtszeit von vier Jahren erreichen könnte. Weiterhin bedeutet das, dass das Repräsentantenhaus in demokratischer und der Senat in republikanisch Hand bleiben werden.  

Welche Konsequenzen sind für die Politik und die Finanzmärkte zu erwarten, sollte dieses Szenario durch das offizielle Ergebnis bestätigt werden?
Eine zentrale Annahme, die den "Democratic Sweep" begleitete, war, dass eine Joe Biden als Präsident sehr schnell einen sehr bedeutenden fiskalischen Stimulus einleiten würde. Wir gehen davon aus, dass eine zweite Amtszeit von Donald Trump ebenfalls weitere Stimuli im Zusammenhang mit Covid-19 mit sich bringen würde, allerdings in moderaterem Umfang. Ebenso könnte die bestehende Steuerpolitik der republikanischen Verwaltung unverändert bleiben, mit einem gewissen Spielraum für zusätzliche Steuererleichterungen. Im Gegensatz zu den Plänen der Demokraten würden Ausgaben für Infrastruktur und "grüne" Wirtschaftszweige wahrscheinlich eine geringe Priorität haben.  

Stefan Hofer, Chief Investment Strategist, Private Banking Asia
Wilson Cheung, Investment Strategist, Private Banking Asia

Photo im Header © Chris Dorney, Alamy.

Weitere Insights und Informationen

Als einer der Research Experten der LGT beobachtet Investment Strategist Calvin Ha von Hong Kong aus die globalen Märkte. Weitere Insights zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen finden Sie unter:

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