Skip navigation Scroll to top
LGT
VALUES WORTH SHARING
Scroll to top

Anlagerisiken erkennen, messen und bewerten

10. Juni 2020

Lesezeit: 7 Minuten

von André Schmidt-Carré, Gastautor

Risikomasse

Für jede Geldanlage gilt: Kein Ertrag ohne Risiko. Anleger müssen deshalb genau abwägen, welche Risiken sie eingehen.

Stark schwankende Kurse wie in Zeiten der Covid-19-Pandemie führen uns deutlich vor Augen: Geld anlegen ist immer mit Risiko verbunden. In der Regel gehen grössere Ertragschancen mit höheren Risiken einher. Verschiedene Kennzahlen und Messgrössen können dem Anleger dabei helfen, Risiko und Ertrag zu steuern. Wichtige Kenngrössen im Überblick:

Ratings

Wer als Anleger das Risiko einer Anleihe beurteilen will, kann dafür sogenannte Ratings nutzen. Unabhängige Ratingagenturen wie Standard & Poor's oder Moody's bewerten die Güte, beispielsweise von Unternehmens-Anleihen, nach einem umfassenden Kriterienkatalog: Sie prüfen Bilanzen, sprechen mit Managern, analysieren Märkte, beurteilen das Wettbewerbsgeschehen wie auch die politische und rechtliche Lage.

Auf dieser Basis schätzen sie die Bonität von Unternehmen oder Anleihen ein. Dafür hat sich ein Notensystem mittels Buchstaben etabliert, von der Höchstnote AAA bis D. Es beschreibt das Ausfallrisiko, das Anleger tragen, wenn sie in eine bestimmte Anleihe investieren.

Volatilität

Die Volatilität beschreibt als ein grundlegendes Risikomass, wie stark der Wert einer Anlage im Zeitverlauf schwankt. Sie wird in Prozent bemessen. Genauer betrachtet drückt sie aus, wie stark ein Kurs im Durchschnitt von seinem mittleren Wert nach oben oder nach unten abweicht. Wer den Wert eines Anlageprodukts im Zeitverlauf als Kurve betrachtet, kann die Volatilität auch sehen: Linien ohne jeden Zacken haben eine Volatilität von Null. Sie bleiben aufgrund des gleichbleibenden Wertes immer in der Spur. Je grösser die Ausschläge einer Kurve, umso grösser ist die Volatilität. 

Anlageprofis unterscheiden zudem zwischen der historischen und der sogenannten impliziten Volatilität. Die historische Volatilität weist die durchschnittliche Auf- und Abwärtsbewegung einer Anlage in der Vergangenheit aus. Sie wird also aus den Kursschwankungen berechnet, die es bereits gegeben hat. Die implizite Volatilität blickt dagegen nach vorn und schätzt die für die Zukunft erwarteten Wertschwankungen ein. Basis der Berechnungen sind Daten über Angebot und Nachfrage an Terminmärkten, auf denen Händler Geschäfte für die Zukunft abschliessen.  

Schwankungsrisiken eingehen
Schwankungsrisiken eingehen

Warum dann das höhere Schwankungsrisiko eingehen? Volatilere Anlagen bieten in der Regel höhere Renditeaussichten. Deswegen gilt: Je länger der Zeithorizont eines Anlegers ist, desto eher kann er die mit Volatilität verbundenen Kursschwankungen einer Anlage in Kauf nehmen. Denn in diesem Falle ist er nicht gezwungen, die Anlage ausgerechnet nach einem Kursrückgang zu verkaufen.

Maximum Drawdown

Eine Kennzahl, mit der Anleger sich Risiken bei der Geldanlage auf andere Weise verdeutlichen können, ist der sogenannte Maximum Drawdown. Wie die Volatilität ist dieser Wert eine Prozentzahl. Der Wert beziffert aber nicht den Umfang der Kursschwankungen, sondern den grössten Verlust, den ein Anlageprodukt innerhalb einer festgelegten Zeitspanne in der Vergangenheit hatte. Diese Zahl drückt das aus, was viele Anleger gemeinhin unter Risiko verstehen.

Sharpe Ratio

Die Sharpe Ratio zählt zu den wichtigsten Risikomassen der Finanzwelt: Sie gibt das Plus an Rendite an, das man im Vergleich zu einer sicheren Geldanlage mit einem risikoreichen Investment realisieren kann. Dabei setzt sie den erwarteten Mehrertrag mit der Volatilität ins Verhältnis. Sie misst also das Rendite-/Risikoverhältnis einer Anlage. Sie beziffert, wie sehr ein Anleger dafür belohnt wird, wenn er Geld in eine Geldanlage mit einem bestimmten Risiko statt in eine sichere Geldanlage investiert.

Benannt wurde das Mass nach seinem Schöpfer, dem Nobelpreisträger William F. Sharpe. Ein grosser Vorteil der Sharpe Ratio ist, dass sie verschiedene Anlagen miteinander vergleichbar macht, von der Aktie bis zum komplexen Anlagefonds. Wenn beispielsweise zwei Anlagefonds in der Vergangenheit vergleichbare Renditen hatten, dann hat derjenige Fonds eine höhere Sharpe-Ratio, der diese Rendite mit einem tieferen Risiko erzielt hat.

Jetzt wird es speziell

Profis nutzen noch viel mehr Kennziffern, um Risiken einschätzen zu können. Die Masse sind oft recht komplex und abstrakt, sodass Laien ohne tiefere Einarbeitung nicht allzu viel damit anfangen können. Aber sie zeigen, wie andere Investoren das schwankungsreiche Geschehen an Märkten einzuschätzen versuchen.

Eines dieser Risikomasse für Fortgeschrittene ist die Information Ratio: Sie misst, ob es sich als Anleger bezahlt macht, mit einer Investition von einem Vergleichsindex abzuweichen. Aktive Fondmanager verdeutlichen damit, welche Rendite sie mit ihren Anlageentscheidungen gegenüber dem Vergleichsindex (z.B. den Dow Jones) erwirtschaften konnten. Die Information Ratio gilt als Weiterentwicklung der Sharpe Ratio. Sie setzt den möglichen Anlageerfolg eben nicht mit dem Ertrag der sicheren Geldanlage ins Verhältnis, sondern mit dem des Vergleichsindexes.

Fazit

Beim Einschätzen der Risiken versuchen Anleger im Grunde immer den idealen Mittelweg zwischen Anlagerisiko und Ertragschance zu finden. Risikomasse unterstützen sie dabei, indem sie Risiken beziffern helfen und sorgen auch für mehr Transparenz. Anleger sollten dabei aber nicht vergessen, dass jedes Mass sich auf einen Teilbereich im Anlageprozess fokussiert. Im Austausch mit einem Anlageexperten sollten sie klären, welche Risikomasse zum Erfassen ihrer individuellen Anlagerisiken besonders geeignet sind.

Bilder: Shutterstock

Bei der LGT verwaltet und überwacht Ihr persönlicher Vermögensverwalter Ihr Portfolio nach Ihren individuellen Zielen, Bedürfnissen und Ihrem Risikoprofil.

Weitere Informationen zur Vermögensverwaltung.

Mehr vom LGT Online Magazin?

Hinterlassen Sie Ihre E-Mail-Adresse und erhalten per Newsletter regelmäßig das Aktuellste vom LGT Online Magazin.
Newsletter abonnieren