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Sind Dividenden die besseren Zinsen?

14. Februar 2020

Lesezeit: 3 Minuten

von Stephan Lehmann-Maldonado, Gastautor

Dividenden sind die besseren Zinsen?

Die Schwankungen der Aktienkurse verschaffen vielen Anlegern Nervenkitzel. Nebst dem Auf und Ab an den Börsen sollten sie aber auch auf die Dividenden achten.

«Wissen Sie, was das Einzige ist, das mir Vergnügen bereitet? Zu sehen, wie meine Dividenden eintreffen ...», soll John D. Rockefeller (1839–1937) gesagt haben, dessen Name bis heute für unermesslichen Reichtum steht. Anders als manche Anleger, die nur auf die Börsenkurse einer Aktie schielen, wusste Rockefeller, wie wichtig die Gewinnausschüttungen eines Unternehmens sind. 

Tatsächlich spielen Dividenden eine wesentliche Rolle für die Aktienrendite. Dazu ein Beispiel: Seit der deutsche Aktienindex DAX zum ersten Mal publiziert wurde, hat sich sein Wert verdreizehnfacht – von 1000 Punkten Ende 1987 auf 13 236 Indexpunkte Ende Dezember 2019. Der DAX, der als Stimmungsbarometer für die deutsche Börse gilt, ist ein Performance-Index. Er spiegelt nicht nur die Kursentwicklung der 30 grössten börsenkotierten Unternehmen Deutschlands. Vielmehr fliessen in seine Berechnung auch deren Dividendenausschüttungen ein – unter der Annahme, dass sie immer wieder in den DAX reinvestiert werden.

Wie viele Indizes hat der DAX einen kleinen Bruder: den DAX Kursindex. Er repräsentiert dieselben Unternehmen, reflektiert aber ausschliesslich deren Kursentwicklung. Sein Stand war mit 5910 Indexpunkten per Ende Dezember 2019 nicht einmal halb so hoch wie jener des bekannteren DAX Performance-Index.

Rendite unter der Lupe

Was zeigt dieser Unterschied? Ein Grossteil der Aktienrendite ist auf die Dividenden zurückzuführen. Diese sorgen dafür, dass aus einem Euro, der vor rund 31 Jahren in den DAX geflossen ist, nicht gut sechs Euro, sondern über dreizehn Euro geworden sind.

Doch nehmen wir das Wachstumswunder des DAX unter die Lupe: Gemäss einer Studie der hamburgischen Sutor Bank hat die reine Aktienkursentwicklung den Anlegern zwischen 1987 und Ende 2018 im Schnitt eine jährliche Rendite von 5.2 Prozent beschert. Die Dividenden besserten diese Rendite um 2.7 Prozent auf, was eine durchschnittliche Jahresrendite von 7.9 Prozent ergab. Auf den ersten Blick erscheint der Beitrag der Dividenden bescheiden. Doch reinvestiert man die Dividenden konsequent in den DAX, kommt der Zinseszinseffekt ins Spiel, der die Erträge  langfristig mehr als verdoppelt hat.

Egal, auf welchen Aktienmarkt man schaut: Die Dividenden machen meist ungefähr die Hälfte der Gesamtrendite aus. Und das trifft auch auf viele einzelne Aktien zu. Deshalb gibt es Dividendenjäger, die auf Aktien mit einer hohen Dividendenrendite setzen. Diese soll auch bei stagnierenden Börsen ein Einkommen gewährleisten und allfällige Kursverluste abfedern.

Dividenden statt Zinsen?

2019 schütteten viele europäische Unternehmen Rekordsummen an Aktionäre aus. Demgegenüber verharren die Zinsen auf Tiefstniveau, weshalb Sparbücher und Anleihen kaum Renditen abwerfen. Eignen sich somit dividendenstarke Aktien besser als Anleihen, um ein Einkommen zu erzielen? Leider kann man dies nicht pauschal bejahen. Einerseits sind Dividenden nämlich nicht garantiert und unterliegen wieAktien erheblichen Kursschwankungen. Andererseits ist langfristig nicht entscheidend, welche Dividende ein Unternehmen heute ausschüttet. Viel wichtiger ist es, dass ein Unternehmen über ein solides Geschäftsmodell verfügt, das eine konstante Dividendenpolitik ermöglicht.

Doch nicht jedes Unternehmen, das mit Dividenden geizt, ist knapp bei Kasse. Das Beteiligungskonglomerat Berkshire Hathaway des legendären Börsengurus Warren Buffet schüttet beispielsweise nie Dividenden aus. Buffet ist überzeugt, dass seine Aktionäre mehr davon haben, wenn sein Unternehmen mit dem Gewinn gleich selbst Investitionen tätigt. Ausserdem sind Kursgewinne im Gegensatz zu Dividenden in den meisten Ländern steuerfrei. Schwer zu sagen, ob Rockefeller auch an Buffet Freude gehabt hätte.

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