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Investments in Oldtimer: Nicht immer glänzt Garagengold

8. Januar 2021

Lesezeit: 15 Minuten

von Jürgen Lewandowski, Gastautor

Ferrari Investment

Sind Oldtimer edle Sammelstücke oder kluge Investitionen? 

Man kann – in den Zeiten von Negativ-Zinsen – als Investor schon ins Grübeln kommen. Steigt der Gold-Preis wirklich weiter? Möchte ich wirklich einen Jean-Michel Basquiat als Investment an der Wand hängen haben? Da könnte doch ein eleganter Oldtimer mehr Freude bereiten. Denn wie uns die Szene immer wieder wissen lässt: Gute Autos sind Garagengold – sie werden immer teurer. Sie bieten die perfekte Melange: Spass und Gewinn.

Wenn es so einfach wäre.

Wir sollten – bevor wir uns dem Thema „Wann ist ein Oldtimer ein Sammler-, wann ein Investitionsobjekt?“ zuwenden – den Versuch unternehmen, eine Definition dessen zu finden, was Blue-Chip-Automobile ausmacht. Was unterscheidet sie von den Gefährten, die irgendwann verschrottet werden?

Oldtimer ist nicht gleich Oldtimer

Am verständlichsten lässt sich dieses nur schwer definierbare Etwas anhand einiger Parameter erklären: 

Sammeln oder investieren?

  • Stammt der Wagen aus einem Haus mit Geschichte? Namen wie Mercedes-Benz, Bugatti, Porsche, Ferrari oder Bentley helfen da.
  • Hat das Modell Technik-Geschichte geschrieben? Besonderen Techniken zum Durchbruch verholfen, neue Materialien eingeführt?
  • Es kann auch nicht schaden, wenn der Wagen erfolgreich an Rennen oder Rallies teilgenommen hat.
  • Wer sich für Concours-Wettbewerbe interessiert, ist auch stets mit Design-Ikonen gut bedient – hier zählt Ästhetik mehr als schiere Leistung.
  • Und last, but not least, bleibt noch die Frage nach der Stückzahl – je geringer sie ist, umso besser.

Legen wir diese fünf Parameter einmal über zwei, drei Modelle – greifen wir zuerst zum Mercedes-Benz 300 SL Coupé, das von 1955 an in Serie gebaut wurde. Der „Gullwing“ stammt vom ältesten Autobauer der Welt und ist mit seiner Melange aus aggressiven Formen (Flügeltüren!); avantgardistischer Technik (Rohrrahmen / erster Serienwagen mit Benzin-Einspritzung), sportlichen Erfolgen (vier Siege bei fünf Rennen 1952 – darunter die 24 Stunden von Le Mans und die Carrera Panamericana) und nur 1400 gebauten Exemplaren ein perfektes Beispiel für einen Wagen, der nie wieder günstig zu haben sein wird.

Jedoch ergeben 1400 gebaute Coupés – und 1858 später entstandene 300 SL Roadster – eine relativ hohe Fahrzeug-Menge, dementsprechend haben sich die Preise bei rund einer Million Euro (Roadster) und 1,3 Millionen Euro (Coupé) eingependelt.

Blicken wir auf das derzeitig teuerste Gefährt – und lassen wir unverkäufliche Museumsstücke wie den 300 SLR, mit dem Stirling Moss 1955 die Mille Miglia gewann, aussen vor – dann kommen wir zum Ferrari 250 GTO. Dieses aggressiv geformte Gefährt gewann von 1962 bis 1964 die Konstrukteurs-WM und errang Hunderte von Siegen – es entstanden in diesen drei Jahren nur 36 Exemplare, was betuchte Ferraristi mittlerweile dazu zwingt, bis zu 80 Millionen Dollar für einen Wagen zu bezahlen. 

Wobei die Chance, einen zu diesem Preis zu finden, vernachlässigbar ist, denn die Besitzer sind Milliardäre, die nicht das Geld, sondern einen 250 GTO haben wollen. Und blicken wir noch auf den Jaguar E-Type: Tolle Form, toller Name – aber keine extravagante Technik, kaum Renn-Erfolge und stolze 72'535 gebaute Modelle. Damit ist der E-Type ein wunderbarer Wagen zum Besitzen und Fahren, aber Geld wird man mit ihm kaum verdienen. 

Teure Autos werden noch teurer

Womit die Frage, ob Automobile Garagengold sein können, scheinbar beantwortet ist: Wer – wie Pink Floyd-Drummer Nick Mason – seinen 250 GTO Ende der 70er Jahre für 72'000 GBP erwarb, hat zweifellos den heiligen Gral der Geldvermehrung gefunden. Und als Ralph Lauren 1988 einen der drei gebauten Bugatti Typ 57 SC Atlantique erwarb, konnte er wohl auch nicht ahnen, dass dieser Wagen eines Tages 50 Millionen Dollar – oder mehr? – wert sein würde.

Dazu Nick Mason von Pink Floyd: "Ich erwarb meinen 250 GTO im Jahr 1978 für 72'000 GBP – eine damals unfassbar hohe Summe für einen gebrauchten Ferrari. Ich kaufte ihn, weil ich ihn haben wollte – über eine mögliche Wertsteigerung dachte ich nie nach."

Wir lernen daraus, dass man in heutigen Zeiten viel Geld nur mit einem Auto verdienen kann, das bereits beim Erwerb viel Geld kostet – alle Tipps, sich einen Porsche 911, eine Corvette oder einen Austin-Healey 3000 zu kaufen, um damit Geld zu verdienen, sind die Druckerschwärze ihrer Anzeigen nicht wert.

Darauf müssen Sie achten bei Investments in Oldtimer

Essentiell ist die Frage: Was plant der Besitzer mit seiner Erwerbung zu machen? Es bei einem Concours zeigen? Dann sollte es ein seltenes Gefährt mit einer besonderen Karosserie und am besten noch mit interessantem Vorbesitz sein – aber Vorsicht: Um zum Concorso d`Eléganza bei der Villa d`Este zugelassen zu werden, sind die Hürden schon sehr hoch und dementsprechend teuer.

Soll das Gefährt einfach für ein paar schöne Ausfahrten im Jahr dienen, dann empfiehlt sich ein Wagen mit bewährter Technik und gesicherter Ersatzteil-Versorgung. Und wer das Abenteuer auf Rennstrecken oder Rallyepfaden sucht, hat völlig andere Bedürfnisse und sollte sich zuerst einmal entsprechenden Teams anschliessen, um zu „erfahren“, ob das Geld hier gut angelegt ist.

Kehren wir zu den fünf Eckpunkten zurück:

  • Marke
  • Technik
  • Sportlichkeit
  • Design
  • Stückzahlen 

Fahrzeuge, die alle diese Kriterien erfüllen, haben ihren Preis – und man muss wissen, dass es mit dem Kaufpreis nicht getan ist, denn dem Kauf folgt eine beträchtliche Menge an Folgekosten. Der Zustand des Wagens muss erhalten, oder – wenn man Schwächen erkennt – verbessert werden. Automobile müssen bewegt werden, sonst gibt es Standschäden – das bedeutet: regelmässige Ausgaben für Wartung, Konservierung, Garagenmiete, Versicherungen. Kosten, die von der Wertsteigerung mitgetragen werden sollen – und bei in grossen Stückzahlen gebauten Fahrzeugen wie beispielsweise einem Porsche 911, einer Pagode, einen VW Käfer Cabriolet oder einem Alfa-Romeo Spider nicht darstellbar sind. Das sind wunderbare Hobby-Fahrzeuge, bei denen man bei ehrlicher Rechnung nur wenig Geld verliert.

Nur der beste Oldtimer

Es gilt also Sondermodelle etablierter Firmen in limitierter Stückzahl zu suchen – wer sich vor zwanzig Jahren einen der auf 200 Exemplare limitierten Gruppe B-Wagen in die Garage stellte, hat nichts falsch gemacht. Marken wie Porsche, Ferrari oder Aston Martin haben diese Erkenntnis in die Form von Sonder-Modellen umgesetzt, die – bei entsprechendem finanziellem Atem – nach ein paar Jahren Geld verdienen können. Auch hier gilt also: Immer nur das Beste kaufen, was man sich leisten kann.

Es gibt aber noch eine Steigerungsform, die praktisch kein Risiko bietet: Den Weg zu einem der automobilen Kult-Label oder beispielsweise zur Carrozzeria Zagato oder Touring Superleggera antreten und sich dort ein Unikat bestellen. Häuser wie Aston Martin, Ferrari, Lamborghini, Rolls-Royce oder Bentley bieten diesen zugegebenermassen teuren Weg gerne, denn diese massgeschneiderten Unikate bringen dem Label und dem stolzen Besitzer Ruhm und Ehre – und finden auch immer Käufer.

Oldtimer: Investment oder Sammelstück?

Gibt es nun Garagengold? Ja, wenn man bereit ist, viel Geld zu investieren und kundige Berater hat – für die meisten von uns sind Sammler-Fahrzeuge aber Spass-Mobile für die schönen Stunden des Lebens, bei denen die Suche nach Profit nicht im Vordergrund stehen sollte.

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