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Vier Philanthropinnen unter vierzig

25. Juni 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Sarah Murray, Gastautorin

Frauen Philanthropie

Der neuen Generation von Philanthropen geht es um mehr als nur karitative Spenden.

Edler Wein werde mit zunehmendem Alter besser – für philanthropisches Engagement muss das nicht gelten. Wir haben mit vier jungen Philanthropinnen gesprochen, die lieber früher als später spenden wollen: Sie alle haben vor ihrem 40. Lebensjahr wichtige Meilensteine erreicht; stellen Zeit und Wissen sowie Geld zur Verfügung und finden neue Wege, etwas zu bewirken – von zusammengelegten Spenden bis hin zu wirkungsvollen Investitionen. 

Vernachlässigte Anliegen: Katalytisch wirken

Die Singapurerin Rebekah Lin gehört zu einer Generation, die Philanthropie neu definiert. "Philanthropie hat sich verändert, insbesondere in Asien", sagt sie. "Die nächste Generation von Philanthropen will nicht nur grosse Geldsummen spenden, sondern auch eine katalytische Wirkung erzielen."

Rebekah Lin

Lin ist die Tochter von Andy Lim, dem Gründer der Private-Equity-Investmentfirma Tembusu Partners, und Lim Hwee Hua, der ersten Frau im Singapurer Kabinett. Sie spendet über die Jia-Stiftung ihrer Familie und über die social.co, eine Organisation, die sie zusammen mit ihrer Freundin Cheryl Chong gegründet hat.

Die 2014 ins Leben gerufene social.co ist eine Gruppe junger Unternehmer aus Singapur, die nicht nur Geld – bisher mehr als 5 Millionen US-Dollar – für vernachlässigte Anliegen wie ältere Bevölkerungsschichten, sondern auch Menschen aus unterschiedlichen Gemeinschaften zusammenbringt, um über die aktuellen, sozialen Herausforderungen zu diskutieren.

Doch etwas verbindet Lins Philanthropie trotzdem mit der Philanthropie früherer Generationen: Sie ist persönlich. So lässt sich zum Beispiel ihr Fokus auf psychische Gesundheit, Kunst und Bildung in ihre Kindheit zurückverfolgen. "Früher wurde ich in der Schule gemobbt", erklärt die 34-jährige Lin.

Sie glaubt, dass Philanthropie weit über die Vergabe von Stipendien hinausgeht. Sie meint sogar, sie wäre bis vor kurzem überrascht gewesen, wenn man sie und ihre Familie als Philanthropen bezeichnet hätte. "Wir verschenken keine riesigen Geldsummen", sagt sie.

Persönliches Engagement: Eine Nische finden

Es waren Überseereisen, die die Richtung des Spendens für Rachel Gerrol prägten – und zwar auf unerwartete Weise. Die in New York lebende Gerrol ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Nexus, einem hochkarätigen globalen Netzwerk junger Investoren, Sozialunternehmer und Philanthropen. Weniger bekannt ist jedoch ihre Unterstützung für benachteiligte jüdische Gemeinden.

Rachel Gerrol

Die Verbindung ist eine ungewöhnliche. Gerrol wuchs in einer, wie sie es beschreibt, "sehr, sehr christlichen Familie" von Geistlichen auf, die sieben Generationen zurückreicht. Was sie mit jüdischen Anliegen verband, war ihr Besuch in Israel mit dem gemeinnützigen Bildungsprojekt "Birthright Israel". "Diese Reise hat mein Leben in eine neue Richtung gelenkt", sagt sie heute.

Die Veränderung war nicht nur philanthropischer Natur. Durch Birthright lernte sie ihren jetzigen Ehemann Spencer kennen, einen Alumnus der Non-Profit-Organisation, und sie engagierte sich bei der Jewish Federation of Greater Washington, zu dessen Vorstand sie schliesslich stiess. Dort erfuhr sie, wie wenig Mittel für jüdische Holocaust-Überlebende, die in Amerika in Armut lebten, zur Verfügung stehen. Sie wusste, dass sie etwas dagegen tun wollte.

Als sie mehr Finanzmittel für diese Gemeinschaft beim Verband zu generieren versuchte und auf Widerstand stiess, beschloss sie, alleine weiterzumachen. Sie verliess den Vorstand und gründete 2012 im Alter von 34 Jahren die Survivor-Initiative. Neben der Einwerbung von Geldern über diese gemeinnützige Organisation sicherte sie sich auch 1 Million US-Dollars an Fördergeldern von der Obama-Regierung und weitere Millionen vom Stadtrat von New York.

"Mein Ansatz in der Philanthropie fusst sozusagen auf einer föderalen Sichtweise: Ich gebe die Mittel den Fachleuten, die am besten wissen, wie man sie einsetzt", erklärt sie. "Am Ende geht es darum, sich für die Menschen einzusetzen, für die sonst niemand einsteht."

Gerrol weiss, dass die Unterstützung dieses "vergessenen Bevölkerungsteils" atypisch für ihre Generation ist. "Es ist sehr unsexy", sagt sie. "Die meisten jungen Philanthropen sind auf der Suche nach strategischen Wachstumschancen und Finanzierung als Katalysator, und das alles schätze ich sehr. Aber ich habe ein Anliegen gefunden, auf das sich sonst niemand konzentriert. Es ist etwas, das mich über einen Weg gefunden hat, mit dem ich nie gerechnet hätte – und man muss offen sein für Dinge, die einen finden."

Mehr als Geld: Werte weitergeben

Wie Gerrol war es auch der Besuch im Nahen Osten, der die 29-jährige Lorraine Grace auf ihre philanthropische Reise geschickt hat. Sie begann früh – im Alter von 17 Jahren – als sie das My World Project gründete, eine Wohltätigkeitsorganisation, die sich auf Fotografie als Mittel zur Konfliktlösung unter jungen Menschen konzentriert.

Lorraine Grace

Mit dem Mitgründer des "Cancer Research Institute" als Grossvater und der Gründerin des "Middle East Children's Institite" (MECI) als Mutter ist Philanthropie ein herausragendes Merkmal ihres familiären Hintergrunds; eine Tradition, die sie nicht nur durch das My World-Projekt fortsetzt, sondern auch als britische Botschafterin, die Nexus in Grossbritannien leitet.

Die Arbeit ihrer Mutter war eine besondere Inspiration. Während der Eröffnung eines MECI Programms für die Ausbildung von Frauen und Kindern im Westjordanland erhielt sie Einblick in das Leben, das Menschen in kriegszerstörten und verarmten Gebieten des Nahen Ostens führen – im Alter von 16 Jahren.

Sie erkannte die Chance, Kunst und Bildung zu nutzen, um Leben zu verändern. Im Rahmen des My World-Projekts hat sie nicht nur Spenden gesammelt, sondern auch Workshops zu Konfliktlösung entwickelt und Hunderte von Kindern in Asien, Zentralamerika, Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten in Fotografie unterrichtet. "Bildung gibt den Menschen Hoffnung für die Zukunft", sagt sie. "Und Kreativität und Expression können ein wichtiger Teil der Heilung sein."

Grace glaubt, dass Geld nur ein Teil wohltätiger Spenden ausmacht. "Die grösste Lektion, die ich gelernt habe, ist, dass Philanthropie über finanzielle Unterstützung hinausgeht", sagt sie. "Dazu kann es gehören, dass Sie Ihre Zeit, Ihre Netzwerke, Ihre Fähigkeiten und Ihre Leidenschaft einbringen." Und als Leiterin der Forschungsabteilung für sozial verantwortliche Investitionen bei Close Brothers Asset Management in London versteht sie auch die Macht der Finanzen bei der Lösung grosser sozialer und ökologischer Probleme.

Jenseits von Galas: In Philanthropie investieren

Eine Vorreiterin in dieser Hinsicht ist die 36-jährige Liesel Pritzker Simmons. Als Erbin des Vermögens der in Chicago ansässigen Pritzkers, Schöpfer der Hyatt-Hotelkette und aktive Philanthropen, fühlt sie sich nicht zu Galas und anderen traditionellen Formen des Spendens hingezogen.

Liesel Pritzker Simmons

"Das mag seltsam scheinen für wohlhabende Leute, die eine Party für sich selbst schmeissen, um bei schickem Champagner und einem schönen Menü über all die erstaunlichen Dinge zu sprechen, die sie tun", sagt sie. "Galas sind natürlich eine Möglichkeit, Geld zu beschaffen, aber mir machen solche Dinge keinen Spass."

Sie hat natürlich immer gespendet und tut dies auch weiterhin. Doch schon früh entdeckte sie eine andere Möglichkeit, etwas zu bewirken: durch ihre Investitionen.

Mit dem Fokus auf Armutsbekämpfung begann sie, sich über Entwicklungsökonomie zu informieren. "Worauf alle hingewiesen haben, ist, dass man eine verstärkte wirtschaftliche Aktivität auf breiter Ebene braucht", sagt sie. "Und wer macht das? Natürlich die Märkte."

Diese Erkenntnis veranlasste die Entscheidung, das gesamte Investitionsportfolio der Blue Haven Initiative – das 2012 von Pritzker Simmons und ihrem Ehemann Ian Simmons gegründete Family Office – in Impact- Investitionen zu verlagern. Diese liefern neben finanziellen Erträgen auch soziale und ökologische Gewinne.

Pritzker Simmons beschreibt es als ihren Aha-Moment. "Ich hatte einen Sektor gefunden, dem ich mich sehr verbunden fühlte, da er soziale und ökologische mit wirtschaftlichen Komponenten verknüpft", erinnert sie sich. "Das war perfekt für mich."

Und es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass mit der nächsten Generation eine philanthropische Revolution in Gange ist. Wie wir gesehen haben, sind sie operativ beteiligt und tragen dazu bei, die Wirksamkeit philanthropischer Massnahmen auf die nächste Stufe zu heben. Ihr Engagement geht über finanzielle Unterstützung hinaus. Es ist persönlicher, langfristiger, aktiver und vielfältiger. Und es ist nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht.

Auch die LGT ist philanthropisch engagiert. Die LGT Venture Philanthropy Foundation (LGT VP) wurde im Jahr 2007 auf Initiative von S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein gegründet. Sie ist mit ortsansässigen Teams in drei Regionen der Welt mit wichtigen lokalen Netzwerken und Partnerschaften präsent, verfügt aus der Umsetzung des Engagements für die Fürstenfamilie über weitreichende Erfahrungen und hat erprobte Prozesse und Systeme für ein erfolgreiches philanthropisches Engagement entwickelt. Kunden, die sich gemeinsam mit LGT VP engagieren möchten, können ihre Portfolioorganisationen mit einer Spende unterstützen.

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