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Wie man einen guten Businessplan schreibt

12. Mai 2020

Lesezeit: 9 Minuten

von Ellen Sheng (Gastautor)

Gründer profitieren von der Entwicklung eines Businessplans.

Ein Businessplan ist nicht nur für die Finanzierung eines Unternehmens wichtig. Entrepreneurs können mit diesem Instrument viel über die Stärken und Schwächen ihres Unternehmens lernen.

Eine der ersten Aufgaben bei der Gründung eines Unternehmens ist das Erstellen eines Businessplans. Viele denken, dass der vor allem dazu dient, Investoren von einer Geschäftsidee zu überzeugen. Aber es gibt noch einen anderen wichtigen Punkt: seine Gedanken zu organisieren und sich über das weitere Vorgehen klar zu werden.

Zukünftigen Unternehmern hilft ein Plan, "den Ansatz hinter dem Startup herauszuarbeiten und sie potenziellen Investoren knapp und präzise zu erklären", erläutert Thomas Kristensen, Private Equity Investment Manager bei LGT Capital Partners.

Der Entstehungsprozess eines Businessplans zwingt dazu, Stärken und Schwächen eines Unternehmens zu überprüfen. Bevor man eine Geschäftsidee potenziellen Investoren oder Partnern vorstellt, ist es wichtig, die Details auszuarbeiten. Ein Businessplan hilft dabei. Diesen zu schreiben ist eine gute Übung. Sie hilft sowohl Außenstehenden als auch ihnen selbst zu klären, wie das Unternehmen funktioniert, was die Ziele sind und wie es mit Herausforderungen umgeht, sollten sich diese zeigen.

Für Jason Escamilla, Geschäftsführer von ImpactInvestor in San Francisco, ist das Verfassen eines Geschäftsplans wie Hausaufgaben erledigen.

"Wenn Sie das noch nicht erledigt haben, steht ihr Projekt auf schwachen Füssen", sagte er. Sollten sie in eine Besprechung gehen und eine Frage nicht beantworten können, die ein grundlegender Geschäftsplan abdeckt, "dann schiessen sie sich damit selbst in den Fuß. Ich sehe das immer wieder. Die hätten ihre Hausaufgaben machen sollen."

Für erfahrene Unternehmer, die in den Einzelheiten eines Businessplans bereits sattelfest sind, sei ein schriftlicher Businessplan weniger kritisch. "Aber wer gerade erste Erfahrungen in Sachen Unternehmertum sammelt [und keinen Plan hat], sitzt in einem Boot ohne Ruder", sagt Escamilla.

Die Dinge zusammenführen

Jeder Businessplan besteht aus einigen wenigen, wichtigen Elementen. In der Regel sollte er die Marktchancen des Produktes oder der Dienstleistung beschreiben, die man auf den Markt bringen will. Dazu gehören aber auch Informationen zur Verkaufsstrategie des Produkts oder der Dienstleistung, zu den organisatorischen Anforderungen und zum Finanzierungsbedarf.

"Man sollte sich über die Marktchancen oder die Nachfrage im Klaren sein. Mir ist wichtig zu erkennen, dass Gründer ihren Markt genau verstehen und geistig so flexibel sind, dass sie sich veränderten Marktbedingungen anpassen können", sagt Kristensen.

Zu jedem Businessplan gehören finanzielle Vorhersagen. Dabei sehen Investoren häufig allzu rosig geschilderte Geschäftsaussichten, aber sie schauen durchaus auf die Kosten. Escamilla sagt, er schaue auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens und lege dabei Wert auf die klare Aufschlüsselung der Kosten zur Kundenakquise. Escamilla, der sich auf den Technologiesektor fokussiert, orientiert sich an der Faustregel, dass sich die Kundenakquisitionskosten auf ein Drittel des Gesamtwerts des Kunden über den gesamten Lebenszyklus hinweg belaufen sollten.

Kirstensen sagt dazu, dass er die Fixkosten den variablen Kosten gegenüberstelle und darauf achte, wie sich die Kostenstruktur ändere, sobald das Unternehmen wachse. Zudem sei es bei der Akquisition von neuem Kapital für Start-ups wichtig, dass der Unternehmer wisse, wie weit ihn dieses Geld bringe.

Übliche Fehler bei Businessplänen

Investoren, die schon Tausende Businesspläne geprüft haben, erkennen immer wieder dieselben Fehler. Viele Unternehmer, so Escamilla, hätten ihre Hausaufgaben besser machen müssen, oder sie machen ein zu grosses Geheimnis um ihre Geschäftsidee.

"Wer seine Idee zu vertraulich behandelt, erhält weniger unentgeltlichen Rat; oder ihm wird weniger Zeit eingeräumt, um eine Idee schrittweise zu entwickeln und zu verfeinern", begründet er, warum sich Offenheit lohnt.

Ein weiterer typischer Fehler sind zu rosige Prognosen, die Einnahmen über- und Kosten unterschätzen. Sicher, Unternehmer müssen optimistisch sein, wenn es um ihr Startup geht. Sie müssen aber auch realistisch sein und ein gutes Verständnis für die Herausforderungen und Risiken entwickeln.

Nichts ist in Stein gemeißelt

Selbst die besten Pläne können schiefgehen und so sind Businesspläne bestenfalls ein "Work-in-Progress". Obwohl sie wichtige Bereiche abdecken, suchen Investoren auch nach Qualitäten, die in keinem Businessplan zu finden sind.

Bleibt die Person dran und findet einen Weg, um die Idee zu realisieren?

Simon Squibb, Angel-Investor und Serial Entrepreneur.

Simon Squibb, Angel-Investor und mit 18 Unternehmensgründungen Serial Entrepreneur, sagt, er suche vor allem nach Flexibilität und Zielstrebigkeit.

"Wenn ich in ein Unternehmen investiere, schaue ich besonders auf die Person, darauf, ob sie dynamisch genug ist und das Geschäft so weiterentwickeln kann, bis es funktioniert. Beginnt die Person zu zweifeln, wenn das Unternehmen in einem Jahr noch keine Milliarde wert ist? Hört sie auf, wenn der Plan keinen Sinn mehr macht? Wenn die Idee aber grundsätzlich Sinn macht, aber eben noch nicht funktioniert – bleibt die Person dran und findet einen Weg, um die Idee zu realisieren?" so Squibb.

Für die Zielsetzung reicht oft ein Einzeiler, der erklärt, warum der Gründer das Unternehmen gründet. Manchmal ist er in einem Businessplan enthalten, aber meistens fehlt er.

"Ein Unternehmer mit einem klaren Ziel vor Augen ist von dem, was er tut, überzeugt. Das ist sein Antrieb. Häufig kann ich viel darüber erfahren, was sie tun und wie sie etwas tun. Viel zu selten erfahre ich aber, warum sie etwas tun", sagt Squibb.

Die Elemente eines Businessplans

Bei den Vorlagen für Businesspläne kann es leicht unterschiedliche Kategorien geben; das hängt von der Art des Unternehmens ab (z.B. Kleinunternehmen oder Technologie-Startup), vom Entwicklungsstand und der Zielgruppe. Die Hauptbestandteile bleiben aber mehr oder weniger immer gleich.

Executive Summary
Dieser Abschnitt sollte ein Leitbild enthalten, das den Schwerpunkt Ihres Unternehmens erläutert, eine kurze Beschreibung Ihrer Produkte oder Dienstleistungen und einen Überblick über Ihr Vorgehen.

Beschreibung des Unternehmens
Hier ist Raum für eine detailliertere Beschreibung der Zielsetzung und der Entwicklung Ihres Unternehmens. Erklären Sie Ihre Produkte oder Dienstleistungen und konzentrieren Sie sich auf die Probleme, die Ihr Unternehmen löst und wie Ihr Kunde davon profitiert. Seien Sie spezifisch in Bezug auf Ihre Zielgruppe, ob es sich nun um Einzelpersonen, Organisationen oder Unternehmen handelt. Gehen sie in Details, wenn Sie Pläne haben, bei denen geistiges Eigentum, wie z.B. ein Patent oder Urheberrecht, oder Forschung und Entwicklung eine gewisse Rolle spielen.

Organisation und Verwaltung
Nennen sie hier grundlegende Informationen zum Unternehmen, über dessen eingetragenen Namen, den physischen Standort, die rechtliche und organisatorische Struktur. Berücksichtigen sie Lebensläufe des Managementteams, der Eigentümer, des Vorstands und der Berater wie Buchhalter und Rechtsanwälte.

Marktanalyse und Forschung
In diesem Abschnitt müssen sie nachweisen, dass sie die Branche verstehen, in der ihr Unternehmen tätig ist. Er sollte die einzelnen Kundensegmente skizzieren, auf die sie abzielen, einschließlich deren Grösse und Demographie. Schließlich sollten sie hier ihre Konkurrenten detailliert bewerten und wie sie sich mit ihrem Unternehmen von diesen abheben.

Strategie und Finanzprognosen
Hier erklären Sie Ihren Marketingplan und Ihre Verkaufsstrategie. Beschreiben sie ihr Vorgehen, wie sie Kunden gewinnen und halten wollen, und wie ihr Geschäft wachsen lernt. Berücksichtigen Sie Geschäftsrisiken und wie sie diese entschärfen können. Niemand kann die Zukunft vorhersagen, aber die Darstellung verschiedener Möglichkeiten zur Risikominimierung zeigt, dass Sie über verschiedene Szenarien nachgedacht und Ausweichmöglichkeiten entwickelt haben.

Sie müssen auch die finaziellen Aspekte ihres Unternehmens mit einem Finanzplan und Prognosen schildern. Wenn Ihr Unternehmen bereits etabliert ist, sollten Sie eine Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanzen, Cashflow-Rechnungen und Budgets zum Investitionsbedarf beifügen.

Takeaway

  • Ein Businessplan dient nicht nur der Beschaffung von Finanzmitteln. Die Entwicklung des Plans hilft zu verstehen, wie ein Unternehmen funktionieren und wie es mit Herausforderungen umgehen soll.
  • Ein häufiger Fehler in Businessplänen sind allzu rosige Ertragsprognosen und unrealistisch niedrig angesetzte Kosten. Seien Sie optimistisch und realistisch zugleich und zeigen sie ein gutes Verständnis für die Herausforderungen und Risiken. 
  • Da niemand die Zukunft vorhersagen kann, sind Businesspläne lediglich eine Richtschnur. Den Aussagen von Investoren folgend, suchen sie nach Qualitäten wie Ausdauer und Zielstrebigkeit, da sie Unternehmen helfen, Herausforderungen zu meistern.

Entrepreneurs aus Tradition

Jeder Gründer eines Start-ups muss einen gewissen Unternehmergeist mitbringen um erfolgreich zu sein. Das Fürstenhaus Liechtenstein als Eigentümerin der LGT ist seit Jahrhunderten erfolgreich unternehmerisch tätig. Damit ist unternehmerisches Denken und Handeln fest in der DNA der LGT verankert.

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