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Ahead of the curve: Janet Yellen kehrt zurück

4. Dezember 2020

Ein Kommentar von Jürgen Lukasser, Chief Investment Officer der LGT Bank Österreich, über die Vorstellung des Teams für wirtschaftliche Belange des künftigen 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten und die mögliche Rückkehr einer alten Bekannten.

Ahead of the curve: Yellen kehrt zurück

Aus aktueller Sicht werden die USA mit hoher Wahrscheinlichkeit den ersten weiblichen Finanzminister in der Geschichte bekommen. Ausstehend ist derzeit vor allem die Bestellung der Kandidaten durch den Senat. Joe Bidens Wahl fiel auf die Wirtschaftswissenschafterin Janet Yellen und damit aus Sicht der Wall Street auf eine nicht unbekannte Größe. Yellen ist der breiten Öffentlichkeit vor allem aus der Zeit zwischen 2014 und 2018 als ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank bekannt. Retrospektiv hat sie damals einen guten Job gemacht, musste sie doch die US-Wirtschaft auf steigende Zinsen vorbereiten, ohne großes Chaos zu verursachen. Und das ist ihr gelungen.

Janet Yellen wurde in der Vergangenheit vielfach als "Taube" bezeichnet. Gemeint ist damit, dass im Rahmen des dualen Mandates der Notenbank ihr Hauptaugenmerk auf dem Arbeitsmarkt liegt und weniger auf der Bekämpfung inflationärer Tendenzen. Da sie sich selbst als Keyensianerin sieht, passt das auch gut ins Bild. John Maynard Keynes zählt zu den renommiertesten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Seinen wesentlichen wissenschaftlichen Beitrag hat im wirtschaftlichen Umfeld der 1930er Jahre und vor dem Hintergrund von Massenarbeitslosigkeit verfasst. Er vertrat die Ansicht, dass der Staat eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Konjunktur hat. Keynes schlägt in diesem Kontext eine antizyklische Vorgangsweise mit "deficit spending" vor. Der Staat sollte demnach eine aktive Rolle einnehmen und die Staatsausgaben im Rahmen der Fiskalpolitik bei schwacher Konjunktur erhöhen und dann wieder drosseln, wenn die Wirtschaft gut läuft.

Und exakt dieser Aspekt ist der Schnittpunkt zur aktuellen Situation in den Vereinigten Staaten. Die Pandemie hat das Land unverändert fest im Griff. Die reale Wirtschaft leidet nach wie vor unter dieser Situation. Die Aktienbörsen setzen große Hoffnungen auf die Impfstoffe, die Anfang November angekündigt wurden. Breite Impfkampagnen werden jedoch dauern. Ohne diese ist eine Rückkehr zur Normalität eine Illusion. Heute, am 4. Dezember, wurden wichtige Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Im Zentrum stand die Anzahl der neugeschaffenen Jobs ausserhalb des Agrarsektors. Erwartet wurde, dass im Monat November 460.000 Stellen geschaffen wurden. Faktisch wurden 245.000 neue Stellen berichtet, deutlich weniger als erwartet. Der Jobmotor in den USA scheint zu stottern. Ein weiteres Fiskalpaket ist offensichtlich erforderlich, um die Zeit bis zum flächendeckenden Einsatz der neuen Impfstoffe zu überbrücken. Für die kommenden Quartale ist damit das Know How Janet Yellens als "Taube" sicherlich sehr hilfreich.

Der aktuelle US-Finanzminister Steven Mnuchin hat übrigens den Zugriff auf USD 455 Mrd. an bisher nicht verwendeten Hilfsmitteln aus dem bestehenden Fiskalpaket erschwert. Janet Yellen wird damit den Kongress um Freigabe anrufen müssen. Steven Mnuchin hat kürzlich auch mit der Entscheidung für Aufsehen gesorgt, die Kreditprogramme für die Notenbank nicht über das Jahresende 2020 hin zu verlängern. Dieser Umstand sorgte für Sorgenfalten bei den Investoren, da über das Jahr 2020 hinaus die lockere Geldpolitik gemeinsam mit der staatlichen Fiskalpolitik entscheidende Rahmenbedingungen für die Kapitalmärkte darstellen. Abrupte Änderungen in diesem Bereich würden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Chaos und Verwerfungen an den Märkten führen. Da Janet Yellen durch ihre langjährige Tätigkeit für die US-Notenbank auch mit deren Perspektive vertraut ist, scheint ihre Wahl auch für die Abstimmung zwischen Finanzministerium und Notenbank hilfreich zu sein.

Der Aktienmarkt hat auf die negativen Arbeitsmarktdaten übrigens gar nicht negativ reagiert und nimmt offenbar vorweg, dass es Janet richten wird. In diesem Sinne kann hinsichtlich dieser Personalentscheidung nur sagen: Well done, Joe Biden!      

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