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Ahead of the curve: Vier Jahre Donald Trump in Zahlen

2. November 2020

Ein Kommentar von Jürgen Lukasser, Chief Investment Officer der LGT Bank Österreich, der die vier Jahre Trump-Regierung an den Kapitalmärkten Revue passieren lässt. Diese Betrachtung hilft einen fairen Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der letzten Regierungsperiode zu werfen.

Ahead of the curve: Vier Jahre Donald Trump in Zahlen


Aktienmärkte

Im Hinblick auf die Entwicklung der Aktienmärkte in den abgelaufenen vier Jahren belegen die USA ziemlich eindeutig den Spitzenplatz. Im Mittelfeld konnten sich japanische Aktien und – trotz Handelskrieg – chinesische Aktien behaupten. Für Investoren in europäischen Aktien, besonders aber für Anleger, die bei britischen Aktien zugegriffen hatten, muss im genannten Zeitraum ein bitteres Bild gezeichnet werden. Ob diese klare Outperformance US-amerikanischer Werte ausschließlich auf die politische Administration in den USA zurückzuführen ist, kann ruhigen Gewissens bezweifelt werden.

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Die Entwicklung der Aktienmärkte war in den letzten Jahren de facto von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst: Deutlich bewusst ist allen die Corona-Krise, in deren zweiter (Europa) oder dritter (USA) Welle wir uns befinden. Insbesondere im Rahmen der Erholung in der zweiten Hälfte des zweiten Quartals und im gesamten dritten Quartal 2020 konnten die USA-Märkte alle anderen Börsen abhängen. Dies liegt vor allem in der sektoralen Zusammensetzung der US-Indizes begründet. Gefragt waren 2020 vor allem Aktien aus dem IT-Sektor, da die Geschäftsmodelle von Softwarefirmen mit Cloud-Dienstleistungen, Streaming Dienste, Suchmaschinen und Internet-Retailer besonders gut mit den Auswirkungen der Lock-downs umgehen konnten. Diese Unternehmen sind nahezu ausschließlich in den USA beheimatet. Die in Deutschland beheimatete Hoffnung Europas auf einen globalen Champion im Bereich der elektronischen Zahlungsabwicklung hat sich 2020 leider mit einer Supernova verabschiedet. Chinesische Aktien konnten sich trotz massiver Diskussionen um den Handelsstreit mit den USA rückblickend wacker schlagen. Geholfen hat in den letzten Monaten die erfreuliche Entwicklung des chinesischen Produktionssektors nach dem Lock-down im ersten Quartal 2020. Großbritannien hat in diesem Vergleich leider die rote Laterne ausgefasst. Nicht ganz zu Unrecht – spiegelt die Entwicklung des britischen Aktienmarktes ganz klar die Verunsicherung in Zusammenhang mit der endlosen Tragödie namens "Brexit" wider.

Notenbanken und Zinsen

Donald Trump hat wirklich keine einfache Beziehung zur US-Notenbank. Legendär sind seine Twitter-Tiraden gegen Fed-Chairman Jerome Powell – und das obwohl Powell erst 2018 durch Donald Trump ins Amt geholt wurde. Doch zuerst zu den Fakten: Zur Zeit der Amtsübernahme befand sich der US-Leitzins bei 0,5%. Die Stärke der amerikanischen Wirtschaft und in diesem Kontext vor allem des US-Arbeitsmarktes gaben der Fed den Spielraum den Leitzins in 8 Schritten bis auf 2,5% anzuheben. Jay Powell ließ sich dabei vom dualen Mandat der US-Notenbank leiten, nach dessen Auftrag sowohl der Aspekt der Beschäftigungssituation als auch der Geldwertstabilität zu beachten sind. Die Vereinigten Staaten waren bis 2019 auf dem besten Weg der Nullzinsfalle zu entkommen. Damit kann ein völlig anderes Bild als bei den europäischen Kollegen gezeichnet werden. Die EZB beließ innerhalb der abgelaufenen Jahre den Hauptzinssatz auf 0%, die Einlagenfazilität der Geschäftsbanken befand sich bereits zu Beginn der Ära Trump auf -0,40% und wurde 2019 sogar noch auf -0,5% reduziert. Donald Trump outete sich im Laufe der letzten Jahre als großer Fan der europäischen Zinspolitik. Jay Powell wurde via Twitter aufgefordert die Zinsen nach dem Vorbild der EZB auf 0% zu senken.

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Mit Blick auf die Geldwertstabilität hat die Fed diesem Ansinnen lange Zeit widerstanden. Mit gutem Grund. Stellt doch die Unabhängigkeit der Notenbank einen der wesentlichen Anker des Vertrauens in eine Währung dar. Wer sich von der Wirkung des schwindenden Vertrauens in die Handlungsfähigkeit einer Notenbank selbst überzeugen will, muss seinen Blick lediglich auf die Türkei richten. Präsident Erdogans Unterminierung der Notenbank ist ein wesentlicher Treiber der desaströsen Entwicklung der Lira gegen Euro oder US-Dollar. Mit dem Ausbruch der Corona-Krise in den USA wurden von der Fed die Leitzinsen – der extrem schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt Rechnung tragend - massiv reduziert. Seither findet keine öffentliche Kommunikation zwischen US-Präsident und US-Notenbank mehr statt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der 45. Präsident im Wahlkampf neue Ziele gefunden hat.  

Langfristige Renditen

Die 10-jährigen Renditen in den USA zeigen in den letzten vier Jahren ein zwiespältiges Bild. Im Zeitpunkt der Amtsübernahme Donald Trumps wurde vielfach von der großen Reflation gesprochen. Umfangreiche Steuererleichterung für Unternehmen sollten die Repatriierung von ausländischen Gewinnen in die USA erleichtern und damit die Konjunktur beleben. Exakt diese Erwartung wird durch die Entwicklung der Renditen des 10-jährigen Treasury belegt. Ausgehend von einem Renditeniveau von rund 1,8% stiegen die Renditen auf über 3% und zeigten damit die Erwartung von Wirtschaftswachstum und Inflation an. Statistisch gesehen sind diese beiden Faktoren die einzig relevanten Treiber für langfristige Staatsanleihen sehr guter Bonität. Zumindest so lange die Notenbank nicht auf breiter Front interveniert und festverzinsliche Wertpapiere in großem Umfang kauft.

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Das ist der Weg, den die US-Notenbank im Rahmen der Corona-Pandemie eingeschlagen hat. Ab dem zweiten Quartal wurden die Kapitalmärkte massiv mit Liquidität geflutet, um ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Märkte sicherstellen zu können. Diese Maßnahme ist mit Sicherheit mit den noch immer wachen Erinnerungen an die Finanzkrise 2008/09 zu erklären. Das Marktversagen als Resultat des Lehman-Zusammenbruchs hat damals als Brandbeschleuniger gewirkt und zur vollständigen Entwicklung der Finanzkrise beigetragen. Genau diesen Effekt wollte man unter allen Umständen verhindern. Die Kaufprogramme der US-Notenbank haben die 10-jährigen Zinsen des US-Treasury erstmals in der gesamten Geschichte der Wall Street unter 1% fallen lassen.

Außenhandel

Im Kontext mit der Rolle der Vereinigten Staaten im internationalen Handel, steht Donald Trump vor allem für eine Kehrtwende. Während Jahrzenten wurde in den USA das Credo der freien Märkte und des freien Handels geprägt. Im Rahmen der "America First" gingen die Vereinigten Staaten auf Konfrontationskurs mit dem Hauthandelspartner China und verhängte hohe Importzölle auf eine große Anzahl von chinesischen Produkten. Kann anhand der Entwicklung der US-Außenhandelsbilanz mit China eine Trendwende identifiziert werden? Die Antwort ist hier ein klares nein. Die einzige auffällige – und temporäre – Verbesserung der Außenhandelsbilanz fand während des Lock Downs in den Vereinigten Staaten im zweiten Quartal statt.

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Was bleibt als Fazit? Einerseits finden angekündigte Revolutionen nicht statt. Diesen Schluss lässt der Blick auf die Außenhandelsbilanz zu. Andererseits handelt es sich bei den Vereinigten Staaten nach wie vor um die Wirtschaftslokomotive der Welt. Innovation und Entwicklung finden vor allem in dieser Region statt. Diese Entwicklung lässt sich ganz klar am Erfolg des US-Aktienmarktes vice versa den anderen Regionen ableiten. Ob das ausschließlich von der politischen Administration der letzten vier Jahre abhängig ist? Dafür gibt es wohl wenig Hinweise. Mit Blick auf die anstehende Wahl könnte sich die alte Börsenweisheit, der zufolge politische Börsen kurze Beine haben bewahrheiten. 

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