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LGT Navigator: Drahtseilakt für Zentralbanken und Anleger

30. Juni 2022

An den Börsen bestimmten auch zur Wochenmitte der Ausblick auf schnell steigende Zentralbankzinsen im Kampf gegen die hohe Inflation und die Angst vor einer Rezession die Stimmungslage an den Kapitalmärkten. Für die Notenbanken, allen voran das Fed und die EZB, ist dies eine grosse Herausforderung und bleibt ein Balanceakt. US-Notenbankchef Powell warnte, dass eine verfestigte oder anhaltende Inflation schlimmer wäre als ein Wirtschaftsabschwung. Währenddessen deuten neuste Daten auf einen zumindest kurzfristig anhaltenden Inflationsdruck hin, was das Vertrauen der Konsumenten stark belastet.

Drahtseilakt für Zentralbanken und Anleger

In New York dominierten die Rezessionsängste und die Zurückhaltung der Anleger. Der Dow Jones Industrial konnte am Mittwoch trotzdem leicht um +0.27% auf 31'029.31 Punkte zulegen. Der breite S&P 500 blieb hingegen bei 3'818.83 Punkten praktisch unverändert (-0.07%) und an der Nasdaq verbuchten die Indizes leichte Verluste von rund -0.2%. Wenig Inspiration boten die revidierten Daten zum Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal. Demnach schrumpfte das weltgrösste BIP mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von -1.6%, stärker als bisher angenommen. Grund war vor allem ein schwächer als antizipierter Privatkonsum. In Asien ist heute Morgen kein einheitlicher Trend an den Aktienmärkten ersichtlich.

Während am Anleihenmarkt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen leicht auf 3.10% zurückging, profitierte der US-Dollar vom Zinsausblick und drückte den Euro klar unter die Marke von 1.05 bis auf 1.0440.

Fed-Powell: Eine nachhaltige Inflation ist schlimmer als ein Wirtschaftsabschwung

US-Notenbank Jerome Powell äusserte sich am Mittwoch auf einem Zentralbanker-Forum in Portugal vorsichtig hinsichtlich des weiteren Konjunkturverlaufs. Die US-Wirtschaft sei seiner Einschätzung nach in einer nach wie vor genügend soliden Verfassung, um den geldpolitischen Straffungskurs des Fed verkraften zu können. Jedoch bleibe unklar, ob die US-Wirtschaft jemals wieder den Status von vor der Pandemie erreichen werde. Die Wirtschaft und die Inflationsdynamik würden derzeit von ganz anderen Kräften angetrieben und hätten die globale Wirtschaftslandschaft verändert. Neben den pandemiebedingten Unterbrechungen der Versorgungsketten habe der Krieg in Russland den Druck auf Lebensmittel und Inflation enorm erhöht, was die Aufgabe des Fed, Preisstabilität und maximale Beschäftigung zu sichern, zu einer anderen Aufgabe gemacht habe, als in den letzten 25 Jahren, kommentierte der Fed-Vorsitzende. Powell warnte, dass eine verfestigte oder anhaltende Inflation schlimmer wäre als ein Wirtschaftsabschwung. Am Forum nahmen auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde und der Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, teil.

Gedrückte Stimmung in Europas Wirtschaft

Die allgemeine Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich im Juni vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, der sich verschärfenden Inflation und der weiterhin schwierigen Situation in den weltweiten Lieferketten wieder verschlechtert. Darauf lassen die neusten Umfrageergebnisse der EU-Kommission schliessen. Demnach fiel der «Economic Sentiment Indicator» (ESI) im Juni um einen Punkt auf 104.0. Eingetrübt hat sich insbesondere das Verbrauchervertrauen.

Inflation in Deutschland durch Staatssubventionen etwas eingedämmt

Im Jahresvergleich stiegen die Konsumentenpreise in Deutschland im Juni um +7.6%. Damit hat sich der starke Preisauftrieb mit der Einführung des Tankrabatts und des ermässigten Bahntickets etwas abgeschwächt. Im Mai hatte die Teuerungsrate noch +7.9% betragen und hatte damit den höchsten Stand seit fast 50 Jahren erreicht. Haupttreiber blieb im Juni die Energie, die sich gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr um +38% verteuerte. Mehr bezahlen mussten deutsche Verbraucher aber auch für Lebensmittel (+12.7%).

Spaniens Inflationsrate erreicht 10%-Marke

Der Preisauftrieb der Verbraucherpreise in Spanien hat sich im Juni nochmals signifikant beschleunigt. Auf Jahressicht sprang die Teuerungsrate von +8.5% im Mai auf +10.0% im Juni. Ökonomen hatten einen nur geringfügigen Anstieg auf +8.7% prognostiziert. Auch im Vergleich zum Vormonat war der Preisauftrieb mit +1.8% heftig (Konsens +0.8%).

Deutscher Industrie fehlt das Material

Einer aktuellen Umfrage des Münchener Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo zufolge leiden deutsche Industrieunternehmen unter einem anhaltenden gravierenden Mangel an Material zur Produktion. Die angespannte Lage dürfte der Umfrage zufolge bis ins nächste Jahr anhalten. Insbesondere in der Elektroindustrie, dem Maschinenbau und der Autobranche rechnen jeweils an die 90% der befragten Firmen mit anhaltenden Lieferproblemen. Eine Entspannung der globalen Lieferkettenproblematik verschiebt sich immer weiter nach hinten und keine einzige Branche des Industriesektors geht davon aus, dass die Probleme noch in diesem Jahr gelöste werden könnten, kommentierte das Ifo.

Wirtschaftskalender 30. Juni 

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:00 DE Einzelhandelsumsätze (Mai, M/M) -5.4%
08:45 FR Verbraucherpreise (Juni, J/J) +5.8%
09:00 CH KOF-Konjunkturbarometer (Juni) +96.8
09:55 DE Arbeitslosenrate (Juni) 5.0%
11:00 EZ Arbeitslosenrate (Mai) 6.8%
14:00 DE Verbraucherpreise (Juni, J/J) +8.7%
14:30 USA Konsumausgaben (Mai, M/M) +0.9%
14:30 USA Einkommen (Mai, M/M) +0.4%
14:30 USA Erstanträge Arbeitslosenversicherung (wöchentlich) 229'000
15:45 USA Chicago Einkaufsmanagerindex (Juni) 60.3

Unternehmenskalender 30. Juni

Land Unternehmen Periode
USA Micron Technology Q3

  

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: lgt.navigator@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

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Der saudische Ölkonzern Aramco setzt die Preisspanne für den geplanten Börsengang zwischen USD 8.00 bis USD 8.53 (30 bis 32 Riyal) fest und plant «lediglich» 1.5% seiner Anteile auf den Markt zu bringen. Damit beträgt der Wert des IPOs rund USD 1.6-1.7 Bio., deutlich weniger als das ursprünglich gesetzte Ziel von USD 2 Bio. Der endgültige Preis soll am 5. Dezember festgelegt werden.