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LGT Navigator: Schnell wieder zurück auf dem Boden der Realität

28. Juni 2022

Wieder ansteigende Renditen am Anleihemarkt und besser als erwartete Daten aus der US-Industrie machten die vagen Hoffnungen auf einen langsameren Zinserhöhungskurs des Fed schnell wieder zunichte. An der Wall Street verflog denn auch der Optimismus hinsichtlich eines zurückhaltenden Zinserhöhungskurses des Fed wieder. Der G7-Gipfel geht unterdessen zu Ende und die Umsetzung und Wirkung der ambitiösen Pläne, wie etwa das USD 600 Billionen-Infrastrukturprojekt oder das Festhalten an den angepeilten Klimazielen, sind derzeit schwer abzuschätzen.

Schnell wieder zurück auf dem Boden der Realität

Am New Yorker Aktienmarkt konnten die Indizes zu Wochenbeginn nicht an die Erholung der letzten Woche anschliessen und die Anlegerstimmung wird weiterhin durch Rezessionsängste und die Aussicht auf schnell steigende Zinsen getrübt. Der Dow Jones Industrial schloss -0.2% tiefer bei 31'438.26 Punkten und der S&P 500 gab um -0.3% auf 3'900.11 Punkte nach. An der Nasdaq verloren die Indizes rund -0.8%. Am Anleihenmarkt kletterte unterdessen die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wieder auf 3.2%.

Bekräftigt wurde die Aussicht auf einen unverändert scharfen geldpolitischen Straffungskurs der US-Notenbank durch neuste Konjunkturdaten. So sind die Aufträge für sogenannt dauerhafte Güter in den USA im Mai kräftiger gestiegen als von Analysten erwartet. Die Bestellungen legten auf Monatssicht um +0.7% zu (Konsens +0.2%). Positiv zu werten ist der Anstieg der Aufträge für Kapitalgüter ohne Flugzeuge und militärisches Gerät um +0.5%. Diese Zahl gilt als Indikator für die Investitionsneigung der Unternehmen. Ein weiteres positives Konjunkturindiz lieferten die sogenannten «Pending Home Sales», also noch nicht ganz abgeschlossene Hausverkäufe. Diese sind im Mai erstmals seit einem halben Jahr wieder gestiegen, und zwar um +0.7% zum Vormonat.

In Asien ist am Dienstag kein klarer Trend ersichtlich und die Aktienindizes tendierten uneinheitlich. In Tokio notiert der 225 Werte umfassende Nikkei-Index rund +0.25% höher, während der Hang Seng-Index in Hongkong etwa -0.9% verliert und der Shanghai Composite praktisch unverändert blieb.

EZB-Zinsentscheid jeweils eine halbe Stunde später

Die Europäische Zentralbank (EZB) gab bekannt, dass sie ihren geldpolitischen Entscheid jeweils eine halbe Stunde später kommunizieren wird. Das heisst, dass der Zinsentscheid um 14:15 Uhr (MEZ) anstatt wie bisher um 13:45 Uhr verkündet wird. Die anschliessende Pressekonferenz beginnt dann ebenfalls leicht später um 14:45 Uhr anstatt 14:30 Uhr. Die gesetzten Termine der geldpolitischen Entscheide im laufenden Jahr bleiben aber unverändert. Der nächste Zinsentscheid – und höchstwahrscheinlich die erste Zinserhöhung – ist auf den 21. Juli angesetzt.

Goldmarkt reagiert gelassen auf geplantes G7-Goldembargo

Die Dynamik beim Goldpreis hielt sich zu Wochenbeginn in Grenzen, nachdem die G7-Staaten ein Importverbot von russischem Gold erwägen. Rohstoffexperten zufolge fliesse ohnehin nur ein geringer Teil russischen Goldes in die westlichen Industriestaaten. Wegen des Ukraine-Kriegs ist der Goldimport aus Russland ohnehin bereits stark eingeschränkt. China und Indien bleiben aber als Nicht-G7-Mitglieder wichtige Abnehmer für den Kreml.

Russland Zahlungs(un)fähigkeit im Disput

Nachdem eine 30-Tage-Frist zur Begleichung fälliger Zinsen im Volumen von rund EUR 95 Mrd. auf zwei Staatsanleihen in Auslandswährung verstrichen war, verstärkte sich die Befürchtung, dass Russland seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Der Kreml wies dies aber zurück und betonte, Russland sei wirtschaftlich in der Lage und auch willens, die fälligen Schulden zu bedienen und habe dies im vorliegenden Falle auch getan. Die Zahlung sei aber von Euroclear wegen der Sanktionen blockiert worden und «das ist nicht unser Problem», erklärte der Kreml. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs am 24. Februar werden rund die Hälfte der russischen Gold- und Devisenreserven, sprich rund USD 300 Mrd. durch die Sanktionen des Westens blockiert. Seither wird es für Russland immer schwieriger die Zahlungen für ausstehende Anleihen im Umfang von etwa USD 40 Mrd. aufrechtzuerhalten.

Die Ratingagentur Moody's bestätigte bereits einen Zahlungsausfall Russlands. Konkret gehe es um Zinszahlungen zweier Staatsanleihen, die auch nach Ablauf einer Verzugsfrist von 30 Tagen nicht bei Gläubigern angekommen seien.

G7 wollen an Klimazielen festhalten

Die sieben führenden Wirtschaftsmächte (G7) wollen trotz der Energiekrise als Folge des Konflikts mit Russland an den angepeilten Klimaschutzzielen festhalten. In der Abschlusserklärung des G7-Gipfeltreffens in Bayern soll festgehalten werden, dass das Pariser Abkommen von 2015 (Beschränkung auf 1.5 Grad Erderwärmung) weiterhin als Richtwert für das Handeln der G7 angesehen werde. Die Einhaltung dürfte sich aber schwierig gestalten, denn bereits jetzt muss beispielsweise Deutschland als grösste Volkswirtschaft Europas seine Kohlekraftwerke wieder hochfahren, um unabhängig von russischem Erdgas die Energiesicherheit zu gewährleisten.

Wirtschaftskalender 28. Juni 

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:45 FR Verbrauchervertrauen (Juni)  +86.0
10:00 EZ EZB-Präsidentin Lagarde spricht
15:00 USA S&P/CaseShiller Immobilienpreise 20 grösste Städte (April, J/J) +21.2%
16:00 USA Verbrauchervertrauen (Juni) 106.4

Unternehmenskalender 28. Juni

Land Unternehmen Periode
SWE H&M Q2

  

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: lgt.navigator@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

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Aramco legt Preisspanne fest

Der saudische Ölkonzern Aramco setzt die Preisspanne für den geplanten Börsengang zwischen USD 8.00 bis USD 8.53 (30 bis 32 Riyal) fest und plant «lediglich» 1.5% seiner Anteile auf den Markt zu bringen. Damit beträgt der Wert des IPOs rund USD 1.6-1.7 Bio., deutlich weniger als das ursprünglich gesetzte Ziel von USD 2 Bio. Der endgültige Preis soll am 5. Dezember festgelegt werden.