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LGT Private Banking Europe House View – April 2022

30. März 2022

Der steile Preisanstieg an den Energiemärkten facht die Inflation an und schmälert die Kaufkraft der Konsumenten. Die grossen Notenbanken reagieren mit einer Straffung der Geldpolitik auf die hohe Teuerung. Damit droht aber auch eine Abkühlung der Konjunktur. Im Aktiensegment bevorzugen wir kurzfristig die USA gegenüber Europa und Schwellenländern. Zudem realisieren wir Gewinne im Minensektor. Die Währungen von rohstoffproduzierenden Ländern hinken der Rally am Rohstoffmarkt derweil hinterher und haben Aufholpotenzial.

LGT Private Banking Europe House View

Im zweiten Quartal 2022 dürfte vor allem die weitere Inflationsentwicklung im Fokus stehen. Der Krieg in der Ukraine tobt nun seit mehr als einem Monat und hat die Unsicherheiten hinsichtlich der Inflations- und Wachstumsaussichten tendenziell erhöht. Wann und mit welchen Folgen dieser Konflikt zu Ende geht, ist reine Spekulation. Die Kapitalmärkte dürften aber in den kommenden Wochen eine gewisse Abstumpfung oder Gelassenheit gegen die tagtägliche mediale Berichterstattung, respektive «Headline»-Risiken entwicklen. Die mittel- bis langfristigen Konsequenzen könnten hingegen enorm sein. Es ist nicht auszuschliessen, dass wir am Beginn einer neuen ideologischen Blockbildung zwischen West und Ost oder gar eines neuen Kalten Krieges stehen. Dies würde der Globalisierung einen erheblichen Dämpfer versetzen und eine höhere strukturelle Inflation zusätzlich begünstigen.

Die Konsumenten beidseits des Atlantiks haben bereits heute mit einer spürbaren Inflation zu kämpfen. In den USA beträgt die Jahresteuerung fast 8% und in der Eurozone liegt sie bei knapp 6%. Damit steigen die Preise so schnell wie zuletzt vor vierzig Jahren, und es findet eine stetige und schrittweise Erosion der Kaufkraft der Konsumenten statt – es ist daher verständlich, dass das Verbrauchervertrauen in den USA und im Euroraum in den vergangenen Monaten geradezu kollabiert ist.

Hemmt die Inflation das Wachstum?

Bei einer derart hohen Inflation schmilzt die Kaufkraft der Konsumenten wie der Frühlingsschnee an der Sonne. In den Vereinigten Staaten trägt der Privatkonsum 70% zum Bruttoinlandprodukt bei und ist damit der Haupttreiber der weltgrössten Volkswirtschaft. Daher stellt sich mittlerweile die Frage, wie stark die steigenden Preise den Konsum dämpfen und damit das Wachstum beeinflussen werden. Gleichzeitig zeigt sich die amerikanische Notenbank (Fed) entschlossen, die Teuerung mit allen Mitteln zu bekämpfen. Doch strafft sie ihre Geldpolitik zu schnell, könnte das die Unternehmensaktivität bremsen und die Arbeitslosigkeit erhöhen.

Gefahr einer Stagflation nimmt zu

Das Risiko einer Stagflation – also die Kombination eines schwachen Wirtschaftswachstums und hoher Inflation – hat sich in den vergangenen Wochen erhöht. Einerseits sind die Wachstumsaussichten für die zweite Jahreshälfte gesunken und andererseits bleibt der Inflationsdruck aufgrund des Kriegs in der Ukraine weiterhin hoch. In den kommenden zwei bis drei Quartalen könnte an den Märkten somit wieder das Stagflationsgespenst auftauchen. Hingegen bleiben die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen in den USA zwischen 2% und 2.5% verankert, was für die Glaubwürdigkeit des Fed spricht.

Makroökonomischer Ausblick

Die Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum werden derzeit kontinuierlich gesenkt. So hat das Fed jüngst die Schätzung für das US-BIP in diesem Jahr von 4% auf 2.8% reduziert. Das liegt zwar immer noch über dem Potenzialwachstum, doch die erwarteten Zinserhöhungen im laufenden Jahr könnten die Konsumentenstimmung weiter schwächen. Die grosse Unbekannte ist, wann und wie schnell der Inflationsdruck wieder abnehmen wird. Dazu beitragen könnte eine Entspannung auf der Angebotsseite, wenn die Lieferketten wieder funktionieren, oder eine Entspannung auf der Nachfrageseite, ausgelöst durch geringeres Wachstum. Wir halten das erste Szenario immer noch für möglich, jedoch könnten der Konflikt mit Russland und der Krieg in der Ukraine die Synchronisierung der Lieferketten verzögern oder sogar zum Stillstand bringen.

Anlagestrategie

In einem inflationären Umfeld sollte der Fokus der Anlagestrategie auf realen Vermögenswerten liegen. Nominelle Anlageklassen erscheinen tendenziell unattraktiv. Daher erhöhen wir vermögensübergreifend die Positionierung in alternativen Anlagen auf «attraktiv» und reduzieren Liquidität auf «neutral». Innerhalb der alternativen Anlagen sticht vor allem Gold hervor, das in den kommenden Quartalen als Diversifikation im Portfolio dienen dürfte. Das freundliche Marktumfeld im März hat es Anlegern erlaubt, sich von Risikopositionen zu trennen und den Fokus auf eine defensive Positionierung zu legen, sowie in jeder Anlagekategorie auf Qualität zu achten.

Aktienstrategie

Mit dem starken Anstieg der langfristigen Zinsen in den letzten Wochen sind die Aktienrisikoprämien einiger Indizes geschmolzen. Das bestätigt uns in unserer defensiven Positionierung. Die abschwächende globale Wirtschaftsdynamik sowie der Krieg in der Ukraine sprechen für den defensiven US-Aktienmarkt, auch wenn die Bewertungen derzeit relativ hoch sind. Entsprechend präferieren wir kurzfristig die USA gegenüber Europa und Schwellenländern. Auf Sektorenebene realisieren wir Gewinne im Rohstoffsektor und reduzieren das Rating auf «neutral». Die Kaufkrafterosion trifft Unternehmen im zyklischen Konsumgütersektor überproportional hart. Deshalb reduzieren wir den Sektor auf «unattraktiv». 

Anleihenstrategie

Die erwartete Erhöhung der Leitzinsen und der hohe Inflationsdruck haben die Zinskurven beidseits des Atlantiks nach oben geschoben. Das kurze Ende ist dabei schneller gestiegen als das lange, somit haben sich die Zinskurven abgeflacht. Wir halten Obligationen weiterhin für «unattraktiv» und raten zu einer kurzen Duration. Jedoch haben einige Segmente in den vergangenen Wochen an Attraktivität gewonnen. Dazu zählen zweijährige US-Staatsanleihen, die nun eine Rendite von über 2.25% ausweisen und damit bald eine Alternative zur Liquidität sind. Die einzige attraktive Nische im Fixed-Income-Bereich bleiben hybride Anleihen.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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