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LGT Private Banking Europe House View – August 2022

27. Juli 2022

Die grossen Zentralbanken ziehen die Zinsschraube an und der Wirtschaftsausblick trübt sich zunehmend ein. Die Zeit ist gekommen, unsere anlageklassenübergreifende Einstufung für Anleihen auf «Neutral» zu erhöhen. Wir stufen inflationsgeschützte Anleihen auf «Unattraktiv» herab, und Staatsanleihen und Duration auf «Neutral» hoch.

LGT Private Banking Europe House View

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist letzte Woche dem Club der zinserhöhenden Notenbanken beigetreten und hat mit ihrer unerwartet deutlichen Erhöhung um 50 Basispunkte sowie mit ihrer klaren Kommunikation die Märkte überrascht. Ebenso wird erwartet, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsschraube an der nächsten Sitzung vom 27. Juli um weitere 75 Basispunkte anziehen wird. Die restriktivere Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken hat selbstverständlich Konsequenzen für das globale Wirtschaftswachstum. Die Schätzungen für 2022 und 2023 trüben sich nicht nur zunehmend ein, auch unterscheidet sich der Wachstumsausblick je nach Region. Die Rezessionswahrscheinlichkeit hat sich über die letzten Wochen stetig erhöht. Wir sehen für die kommenden Monate die folgenden drei 
Szenarien:

Hauptszenario (70% Eintrittswahrscheinlichkeit)

Der Preisdruck erreicht während den Sommermonaten seinen Höhepunkt, zuerst in den USA und, mit Zeitverzögerung, auch in Europa. Auf absoluter Basis beginnt die Inflation moderat nachzulassen, geht aber langsamer zurück als in der Vergangenheit. Das Fed und die EZB werden ihren Zinserhöhungszyklus entlang der jetzigen Markterwartungen weiterführen, aber es wird zu keiner Verschärfung der monetären Politik kommen. Das Wirtschaftswachstum schwächt sich weiter ab und in den wichtigsten Volkswirtschaften kommen wir nahe an oder sogar kurzfristig in eine moderate Rezession.

In diesem Szenario wird das Anziehen der geldpolitischen Schrauben, kombiniert mit Inflationsdruck, zu einer rückläufigen Nachfrage nach Gütern führen. Es wird erwartet, dass die Lieferkettenengpässe spürbar nachlassen und Russland weiterhin Gas nach Europa liefert, wenn auch weniger als von den wichtigsten Abnehmern erwünscht. Obwohl der Inflationsdruck zu schwinden beginnt, besitzen die Zentralbanken zu wenig Flexibilität, um das Wirtschaftswachstum auf Potenzial zu halten. 

Pessimistisches Szenario (20% Eintrittswahrscheinlichkeit)

Die Inflation bleibt hartnäckig hoch und die Geldpolitik wird weiter verschärft. Der Wachstumsausblick ist düster. Die Konsequenz wäre ein «Hard Landing» und somit eine tiefe Rezession. Eine Voraussetzung für dieses Szenario ist eine zunehmende Eskalation der Energieversorgungskrise mit Gas sowie Strom, welche das Epizentrum in Europa hätte. Diese Effekte würden dann aber auch auf die Weltwirtschaft ausstrahlen. Eine mögliche Energierationierung in Europa in den Wintermonaten würde die Industrie und Konsumenten empfindlich treffen. Ein mögliches Stagflationsszenario gekoppelt mit einer tiefen Rezession in Europa wäre dann fast unvermeidbar.

Optimistisches Szenario (10% Eintrittswahrscheinlichkeit)

Die Lieferkettenprobleme lösen sich deutlich schneller und die Nachfrage der Konsumenten bleibt robuster als erwartet. Ebenso liefert Russland ausreichend Gas und es kommt damit in Europa vor den Wintermonaten zu einer De-Eskalation. Die Konsequenz wäre eine schnellere Normalisierung der Inflationsraten und mehr Spielraum für die Zentralbanken, welche dann wohlwollendere Rhetorik an den Tag legen könnten. Es käme dann zu einem klassischen «Soft Landing».

Makroökonomischer Ausblick

In unserem Hauptszenario gehen wir in den kommenden Wochen und Monaten von einer weiteren Abnahme der Wirtschaftsdynamik aus. Aufgrund der Inflationserwartungen sowohl in den USA aber auch in Europa, rechnet der Markt mit einer weiteren Beschleunigung des Preisdrucks. Vieles hängt von der angespannten Energiesituation in Europa ab, welche definitiv zum Spielball zwischen Russland und dem Westen mutiert ist. Ein Lichtblick ist jedoch der Konsument in den USA, welcher sich trotz rekordtiefer Konsumentenzufriedenheit erstaunlicherweise sehr robust zeigt (siehe Seite 4). Das Wachstum in China ist bereits tiefer als der Potenzialoutput und die Regierung in Peking versucht, die Wirtschaft mit Stimulierungsmassnahmen zu stützen.

Anlagestrategie

Seit Quartalen hat der Anleihenbereich anlageklassenübergreifend eine unattraktive Einstufung. Mit dem nun erwarteten Wirtschaftsabschwung und dem Zinsanstieg in den letzten Monaten ist die Zeit gekommen, das Rating auf «Neutral» zu erhöhen. Somit positionieren wir uns anlageklassenübergreifend einen Zacken defensiver. Der Aktienmarkt hat bereits einen Grossteil des Wirtschaftsabschwungs eskomptiert, jedoch noch keine Rezession. Die Aktienrisikoprämie befindet sich bestenfalls im historischen Durchschnitt und deshalb ist aus unserer Sicht die Zeit noch nicht gekommen, um Risiken aufzubauen. An unserer Einschätzung, dass im derzeitigen hochkomplexen Umfeld die Selektion ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, halten wir auch im dritten Quartal 2022 fest.

Aktienstrategie

Wir halten an unserer regionalen Präferenz der USA gegenüber Europa fest. Die europäischen Indizes befinden sich zwar auf einem günstigeren Bewertungsniveau als diejenigen in den USA, jedoch rechtfertigt das «Energie»-Risiko für die Eurozone weiterhin das Rating «Unattraktiv». Die USA sind im geldpolitischen Zyklus weiter fortgeschritten und deshalb sind trotz höherer KGV-Bewertung amerikanische Aktien (Rating «Attraktiv») den europäischen Valoren zu bevorzugen. Ebenfalls bevorzugen wir auf globaler Basis Firmen mit defensiven Qualitäten sowie Preissetzungsmacht.

Fixed-Income-Strategie

Wie beschrieben erhöhen wir anlageklassenübergreifend den Anleihenbereich von «Unattraktiv» auf «Neutral». Die Opportunitäten bleiben aber vor allem für einen Euro- sowie Schweizerfranken-Investor bescheiden. Das grösste Potenzial sehen wir bei US-Staatsanleihen. Ebenfalls erhöhen wir die Duration auf «Neutral» und reduzieren TIPS (Inflationsgeschützte Anleihen) auf «Unattraktiv». Im nachrangigen Bereich sehen wir weiter das grösste Potenzial und halten an unserer «Attraktiv»-Einschätzung fest.

 

 

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Chief Investment Officer, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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