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LGT Private Banking Europe House View – Februar 2022

26. Januar 2022

Die schärfere Gangart der US-Notenbank und die Zuspitzung des Ukraine-Konflikts sorgen für Anspannung an den Finanzmärkten. In Erwartung steigender Leitzinsen dürfte sich der Druck auf Technologieaktien fortsetzen und wir reduzieren den Sektor auf «Untergewichten». Auf der Anleihenseite dürften die langfristigen Zinsen weiterhin steigen, doch langsamer, als wir es seit Jahresbeginn beobachtet haben. 

LGT Private Banking Europe House View

Das neue Handelsjahr ist erst wenige Wochen alt, dennoch haben wir an den globalen Börsen bereits grössere Rückschläge gesehen. Der amerikanische Aktienmarkt hat gegenüber seinem Allzeithoch mehr als 10% verloren und befindet sich damit im Korrekturbereich. Der Hauptgrund für den volatilen Jahresstart ist die «hawkishe» Kommunikation der US-Notenbank (Fed) in den letzten Wochen. Zwar hat das Fed die Rhetorik bereits im Schlussquartal 2021 Schritt für Schritt verschärft, jedoch ist den Investoren erst mit der Veröffentlichung des Protokolls (FOMC Minutes) zur Notenbanksitzung vom Dezember bewusst geworden, dass es nun Ernst wird und drei wichtige Veränderungen anstehen: Eine noch schnellere Reduktion der quantitativen Geldlockerung, mehrere Zinserhöhungen im laufenden Jahr und der Abbau der Notenbankbilanz («Quantitative Tightening»). Ganz anders agieren andere einflussreiche Notenbanken: Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of Japan haben noch keine Änderung der expansiven Geldpolitik in Aussicht gestellt.

Déjà-vu 2018?

Die US-Notenbank hat mit ihrer Kommunikation in den letzten Monaten sehr erfolgreich ein «Taper Tantrum» vermieden, wie wir es 2013 erlebt haben. Damals stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in kurzer Zeit von 1.7% auf 3% als Folge des Rückzugs aus der quantitativen Geldlockerung. Die aktuelle Situation ist hingegen eher mit der Konstellation im vierten Quartal 2018 vergleichbar. Damals kam es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, weil das Fed die Zinsen kontinuierlich anhob und gleichzeitig die Bilanz reduzierte, und dem Markt dadurch weniger Liquidität zur Verfügung gestellt wurde. Der US-Aktienmarkt immer dann Mühe bekundete, wenn die Liquidität schnell und massiv reduziert worden ist. Dies legt nahe, dass die Unsicherheit an den Börsen bis zur ersten Zinserhöhung, die am 16. März 2022 erwartet wird, hoch bleiben wird.

Finanzmärkte im Zinserhöhungszyklus

In den letzten fünfzig Jahren waren in den USA neun Zinserhöhungszyklen zu beobachten. Auffällig ist, dass Risikoanlagen wie Aktien und Rohstoffe in diesen Perioden eine positive Performance erzielten – die Streuung war dabei allerding immens. Das bedeutet, dass es auch für risikoreiche Anlagen in einem Zinserhöhungszyklus keinen Blankocheck gibt.

Neue Wolken am Horizont

In den letzten zwei Wochen hat die Verunsicherung an den Kapitalmärkten noch einmal zugenommen. Einerseits hat sich der Ukraine-Konflikt in der zweiten Januarhälfte schnell zugespitzt. Andererseits sind die Umfragewerte von US-Präsident Joe Biden nach den jüngsten Inflationszahlen in den Keller gefallen. Den Demokraten droht an den Zwischenwahlen im Herbst ein Waterloo, das heisst, es besteht die Gefahr, beide Kammern im Kongress zu verlieren.

Der Jahresstart könnte ein Vorbote für die Vermögensallokation in den kommenden Monaten sein, denn die zwei wichtigsten Anlagekategorien Aktien und Obligationen sind gleichzeitig unter Druck geraten. So sind die zehnjährigen Staatsanleihenrenditen nicht nur in den USA (+27 Basispunkte) gestiegen, sondern auch in der Eurozone (+11 Basispunkte), in Grossbritannien (+20 Basispunkte) und sogar in der Schweiz (+12 Basispunkte). Die Entwicklung spiegelt die Erwartung der Investoren, dass die Märkte künftig weniger Liquidität von den globalen Notenbanken erhalten. Einzig die Anlagekategorien Rohstoffe und Gold konnten sich bislang diesem Trend entziehen und trugen aktiv zur Diversifikation bei.

Das Pulver trocken halten – «Don‘t buy the dip»

Seit einigen Quartalen steht für uns die Qualität in allen Anlagekategorien im Vordergrund. Daran hat sich auch nach der jüngsten Korrektur nichts geändert. In einem durch Liquiditätsentzug geprägten Marktumfeld ist Qualität mehr denn je gefragt. Dies hat uns dazu bewogen, in unserer Anlagestrategie eine Spur defensiver zu werden, respektive weniger Risiko zu nehmen und das Pulver bzw. die Liquidität im Trockenen zu halten. Im Verlauf des Monats haben wir daher US-Aktien auf «neutral» zurückgestuft und den Technologiesektor auf «Untergewichten» reduziert. Da vor allem die restriktivere Gangart der US-Notenbank für Gegenwind sorgt, bekommen amerikanische Firmen die Auswirkungen überproportional zu spüren. Besondere Vorsicht ist bei Unternehmen geboten, die kaum Gewinne erwirtschaften und deren Aktien in den letzten Monaten 50% oder mehr ihres Wertes verloren haben. Bis wir mehr Visibilität haben, empfehlen wir, die bewährte «Buy-the-Dip»-Strategie auszusetzen. Kurzfristig raten wir, an der Seitenlinie zu bleiben und die Liquidität zu erhöhen. Als Konsequenz setzen wir die Liquiditätsquote neu auf «Übergewichten» und die Aktienquote auf «neutral».

Aktien: Enorme Unterschiede unterstützen die Selektion

Der Jahresauftakt signalisiert, dass die Renditedifferenzen an den Aktienmärkten im Verlauf von 2022 nicht nur auf Sektoren- und Industrieebene enorm sein werden, sondern auch zwischen den Regionen und Ländern. Deshalb bleibt aus unserer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor bei Aktien die Selektion, vor allem wenn es um die relative Performance geht. Wir bevorzugen weiterhin nicht-zyklische Konsumgüter, den Rohstoffsektor und europäische Finanzwerte.

Anleihen: Druck nach oben bleibt bestehen

Der Anstieg der langfristigen Zinsen ist beachtlich. Wir erwarten, dass sich dieser Anstieg in langsamerem Tempo fortsetzen wird und der Druck nach oben bestehen bleibt. Die einzige Ausnahme sehen wir, wenn Investoren aufgrund weiterer herber Verluste an den Aktienmärkten in Staatsanleihen flüchten. Dies bleibt unser Risikoszenario. Innerhalb der Fixed-Income-Quote setzen wir auf eine kurze Duration und halten hybride Anleihen und asiatische Hochzinsanleihen weiterhin für attraktiv.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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