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LGT Private Banking Europe House View – Juni 2021

26. Mai 2021

Ziehen die Inflationserwartungen weiterhin an, dürften sowohl Aktien als auch Obligationen kurzfristig unter Druck geraten. Der rasante Konjunkturaufschwung strapaziert derweil die globalen Lieferketten, wir erachten Rohstoffwerte auch in diesem Marktumfeld als «attraktiv». An den Anleihenmärkten dürften die US-Bondrenditen bis in den Sommer hinein graduell steigen, allerdings halten wir das Aufwärtspotenzial für begrenzt.

LGT Private Banking Europe House View

Der Mai war wie erwartet ein Monat mit zahlreichen Herausforderungen für die Kapitalmärkte. Diverse makroökonomische Daten haben das viel beschworene «Goldilocks»-Szenario auf die Probe gestellt. Dabei stechen insbesondere die im historischen Vergleich stark gestiegenen Konsumentenpreise in den USA hervor, die sogar die Schätzungen der Analysten klar übertroffen haben. So ist es wenig überraschend, dass der Druck auf einzelne Marktsegmente in den letzten Wochen spürbar zugenommen hat und hochbewertete Aktien insbesondere an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq ziemlich unter Druck kamen. Die Makrodaten aus den USA können im laufenden zweiten Quartal die Investorenerwartungen nicht mehr so stark übertreffen, wie es in den vorhergehenden drei Quartalen der Fall gewesen ist. Dies könnte aus unserer Sicht für zusätzlichen Gegenwind in den kommenden Monaten sorgen.

Eine ähnliche Entwicklung sehen wir in Europa derzeit noch nicht. Erwähnenswert ist in der Eurozone aber der Aufwärtsdruck auf die Zinsen der langfristigen Staatsanleihen, die sich langsam beginnen nach oben zu bewegen. Damit schrumpft auch das Volumen der Anleihen, die eine negative Rendite aufweisen: Lag der aggregierte globale Wert im Dezember 2020 noch bei USD 18.4 Billionen, weisen heute, fünf Monate später, «nur» noch Anleihen im Umfang von USD 12.3 Billionen einen Minuszins auf.

Inflationserwartungen und langfristige Zinsen divergieren

Der Inflationsdruck in den USA ist in den letzten Monaten stetig gestiegen, was sich in der zehnjährigen «Breakeven»-Inflationsrate spiegelt. Die US-Notenbank hat den Anstieg erwartet und stuft ihn als «vorübergehend» ein. Bemerkenswert ist die sehr enge Korrelation zwischen den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen und der zehnjährigen «Breakeven»-Rate. In den vergangenen Monaten hat sich jedoch eine Kluft aufgetan, und dies obwohl die Inflationserwartungen angezogen haben und die Emissionswelle an US-Staatsanleihen wegen des gigantischen Staatsdefizits enorm war.

Wir sind der Auffassung, dass einerseits der Zinsanstieg in den USA vom ersten Quartal 2021 verdaut werden musste, und andererseits die US-Notenbank im Moment die mit Abstand grösste Käuferin der Treasuries ist. Sie drückt damit am langen Ende auf die Zinskurve. Es bleibt aber abzuwarten, wie lange die Zinsen auf dem Niveau von 1.6% bis 1.7% verharren werden, bis der Druck in Richtung 2% zunehmen wird. Wir erwarten aber, dass die Kluft in den kommenden Monaten geschlossen wird – dieser Anstieg könnte zumindest kurzfristig zusätzlichen Druck auf den Technologiesektor ausüben.

Positive Korrelation zwischen Aktien und Obligationen

In der modernen Portfoliotheorie, die von Nobelpreisträger Harry M. Markowitz begründet wurde, steht neben dem Risiko sowie der erwarteten Rendite von Anlagekategorien vor allem die Korrelation zwischen den einzelnen Anlageklassen im Zentrum. Es wird in der Regel eine sehr niedrige – nahe bei null – oder sogar eine negative Korrelation präferiert. Das ist vorteilhaft, denn sollten Investoren in der einen Anlagekategorie Geld verlieren, würden diese Verluste durch Gewinne in der anderen Anlageklasse abgeschwächt oder gar kompensiert. 

In den letzten Monaten ist die Korrelation zwischen den zwei grössten Anlageklassen – Aktien und Obligationen – allerdings stark gestiegen und befindet sich nun bei 0.53, einem Wert, den wir seit den späten Neunzigerjahren nicht mehr gesehen haben. Die Wahrscheinlichkeit ist somit gestiegen, dass sich Bonds und Aktien in die gleiche Richtung bewegen. Bei einem weiteren Anstieg der Inflationserwartungen erscheint dies sinnvoll, da sowohl langlaufende Obligationen sowie Aktien kurzfristig unter Druck kommen dürften.

Anlagestrategie – Geduld und Qualität sind gefragt

Der Fokus wird auch in den kommenden Wochen auf der Entwicklung der Inflation liegen. Wie lange ist «vorübergehend» exakt? Wird die Kerninflationsrate überschiessen? Und bleibt die US-Notenbank weiterhin gelassen, sollten die Inflationszahlen die Erwartungen auch in den Sommermonaten so klar übertreffen, wie es im April geschehen ist? 

Investoren müssen sich in Geduld üben und sollten auch bei Turbulenzen an der gewählten Anlagestrategie festhalten. Das heisst, dass trotz sportlicher Bewertungen Aktien weiterhin gegenüber Obligationen zu präferieren sind, wobei die Selektion der gewinnbringende Faktor in fast allen Anlagekategorien sein wird. Zudem empfehlen wir, die Qualität innerhalb jeder Anlageklasse zu erhöhen und mit Experimenten noch zuzuwarten. Das bedeutet beispielsweise, die Allokation in Basiskonsumgüter zu erhöhen – ein Sektor, der aus unserer Sicht historisch 
attraktiv bewertet ist gegenüber dem Gesamtmarkt.

 

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: tina.haldner@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
Risikohinweis (Disclaimer)

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