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LGT Private Banking Europe House View – Mai 2021

28. April 2021

An den Finanzmärkten hat das Frühlingserwachen bereits seit einiger Zeit Einzug gehalten und positive Konjunkturindizien sorgen für Optimismus. Im Zentrum steht auch weiterhin die Geldpolitik der grossen Zentralbanken, allen voran der US-Notenbank (Fed). Im Moment gibt es wenig Zweifel, dass das Fed in den kommenden Monaten zwar die Zinsen nicht erhöht, jedoch beginnt, die zusätzlichen Liquiditätsspritzen schrittweise zu reduzieren («Tapering»). Vor diesem Hintergrund fokussieren wir auf eine adäquate Risikoentschädigung und präferieren Aktien vor Obligationen sowie Rohstoffe gegenüber Liquidität.

LGT Private Banking Europe House View

Der Frühling hält Einzug und die Natur beginnt langsam zu erwachen. An den Kapitalmärkten haben wir die Aufwachphase bereits hinter uns gelassen und es ist bemerkenswert, in welchem Tempo und mit welcher Zielstrebigkeit die Aktienbörsen, allen voran der S&P 500, immer wieder zu neuen Höchstständen geeilt sind. Dabei gab es in den ersten vier Monaten dieses Jahres kaum nennenswerte Rückschläge. Es verwundert daher kaum, wenn die Volatilität in fast allen Anlagekategorien wieder auf Niveaus vor Ausbruch der Corona-Pandemie notiert. In der Tat hätte es genügend Gründe für eine Konsolidierung oder Korrektur gegeben, besonders angesichts des Zinsanstiegs am langen Ende in den USA um über 50 Basispunkte. Nach einem Drittel des Jahres kann attestiert werden, dass die antizipierte globale Konjunkturerholung im Zentrum steht. In den letzten Wochen waren Teile des Aktienmarktes aber sehr stark durch die von Zentralbanken zur Verfügung gestellten Liquidität sowie durch massive «Flows» bei Aktienfonds getrieben.

Ein Feuerwerk im US-Einzelhandel

Die amerikanischen Konsumenten sind für fast 70% der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Regierung und Notenbank alles daran setzen, die Verbraucher bei Laune zu halten. Vor dem Hintergrund dreier Corona-Fiskalpakete im Umfang von mehreren Billionen US-Dollar, zeigen sich die Amerikaner, auch dank den vielerorts gelockerten Corona-Massnahmen, in bester Konsumlaune. Dies sorgte im US-Einzelhandel für ein wahres Feuerwerk, wo die Umsätze in den letzten Wochen förmlich explodiert sind und auch über dem langfristigen Trend liegen.

Die Vorlaufindikatoren (Einkaufsmanagerindizes) zeichnen sowohl für das verarbeitende Gewerbe wie auch für den Dienstleistungssektor für die kommenden Monate ein sehr freundliches Bild. Von volkswirtschaftlicher Seite erwarten wir deshalb in absehbarer Zukunft kaum grössere Enttäuschungen. Dies gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Europa, wo die Impfkampagnen an Fahrt gewinnen sollten und positive Folgen wie Lockerungen, eine Verbesserung der Konsumentenstimmung sowie eine verstärkte Wirtschaftsdynamik haben dürften. Mit einem derartigen Setup stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Zentralbanken in absehbarer Zukunft an der Zinsschraube drehen müssen. Aus unserer Sicht reduziert sich diese Frage aber vor allem auf die US-Notenbank – die EZB und die Bank of Japan befanden sich seit der Finanzkrise nie mehr in einem Zinserhöhungszyklus – denn das Fed hat ein duales Mandat: sowohl Vollbeschäftigung als auch Preisstabilität. Die Inflationserwartungen sind in den letzten Monaten zwar angestiegen, der US-Notenbank zufolge aber nur temporär. Hingegen ist der Arbeitsmarkt in den USA noch weit von der Vollbeschäftigung entfernt und rechtfertigt daher, dass das Fed vorerst an der Seitenlinie bleibt. Wir rechnen deshalb auch in den nächsten 18 bis 24 Monaten nicht mit einer Erhöhung der US-Leitzinsen.

«Tapering» und Steuern

Im Moment gibt es wenig Zweifel, dass das Fed in den kommenden Monaten zwar die Zinsen nicht erhöht, jedoch beginnt, die zusätzlichen Liquiditätsspritzen schrittweise zu reduzieren. Dieses in der Finanzwelt als «Tapering» bekannte Phänomen dürfte einen gewissen Gegenwind für fast alle Anlagekategorien bedeuten. Unserer Ansicht nach wird dies zwar kein nachhaltiger «Game-Changer» für die Aktienmärkte sein, aber aufgrund der Positionierung und der tiefen Volatilität zumindest kurzfristig für Unruhe und Turbulenzen sorgen.

Ebenso dürften die angedachten Steuererhöhungen der US-Regierung die Nervosität erhöhen. Präsident Joe Biden hat angesichts des aus dem Ruder gelaufenen US-Staatshaushalts keine andere Wahl, als die Einnahmen zu erhöhen. Bei der Bekanntgabe des Infrastrukturpakets wurden denn auch bereits höhere Steuern für Unternehmen in Aussicht gestellt, und es wird erwartet, dass Biden auch die Kapitalgewinnsteuer erhöhen wird. Zu rechnen ist auch mit einer Erhöhung der Einkommenssteuer vermögender Privatpersonen. Alle drei Faktoren bedeuten für Investoren einen erhöhten Grad an Unsicherheit.

Anlagestrategie – adäquate Risikoentschädigung

Nach über einem Jahrzehnt ultraexpansiver Geldpolitik müssen wir weiter Risiken eingehen, um überhaupt eine positive nominale Rendite erwirtschaften zu können. Die Situation für einen in Euro oder Schweizer Franken denkenden Investor ist nach wie vor herausfordernder als für einen US-Dollar-Anleger. Im Zentrum steht für uns, dass wir für die eingegangenen Risiken auch entschädigt werden.

Vermögensübergreifend halten wir auf oberster Stufe unserer Anlagestrategie im Moment an unseren zwei Überzeugungen fest:

■ Wir präferieren Aktien vor Obligationen

■ Wir bevorzugen Rohstoffe gegenüber Liquidität

Bei Aktien bleiben wir für zyklische Firmen positiv eingestellt, da diese weiter von den erwarteten Lockerungen der Pandemiemassnahmen im Laufe des Jahres profitieren sollten. Auf der Anleihenseite sehen wir in den kommenden Wochen bis auf den hybriden Bereich wenig Renditepotenzial. Vor allem der Investment-Grade-Bereich besitzt nicht nur vermögensübergreifend, sondern auch innerhalb der Fixed-Income-Quote kaum Potenzial, da die Kreditrisikoprämien nicht nur im historischen Vergleich, sondern auch absolut sehr gering sind.

 

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: tina.haldner@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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