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LGT Private Banking Europe House View – November 2020

28. Oktober 2020

Mittel- bis langfristig werden die bekannten Unsicherheitsfaktoren die Märkte weiter beschäftigen. Bis zum «Showdown» bei den US-Wahlen ist deshalb Geduld gefragt, weshalb wir im Moment unser Risiko nicht erhöhen und die Liquidität hochhalten. Wir bevorzugen nach wie vor Aktien gegenüber Anleihen mit Fokus auf der Selektion und verfolgen weiterhin eine Barbellstrategie. 

LGT Private Banking Europe House View

Die letzten Wochen waren global stark durch die exorbitant steigenden Covid-19-Fallzahlen insbesondere in Europa und den USA geprägt. In Europa beschäftigt zudem die «ewige» Scheidung zwischen der EU und Grossbritannien. Einerseits rückt die Brexit-Deadline näher und andererseits ist jenseits des Atlantiks der US-Wahlkampf in die entscheidende Phase getreten. Dabei wird nicht nur das Rennen um das Weisse Haus für die Zukunft der USA entscheidend sein, sondern auch die grösstenteils Neubesetzung des Parlaments. Neben dem klassischen medialen «Headline-Risk» stellt vor allem eine Kombination der drei Herausforderungen kurzfristig für die Märkte eine grosse Unsicherheit dar. Mittel- bis langfristig sind wir der Überzeugung, dass die genannten Unsicherheitsfaktoren die Märkte höchst wahrscheinlich weiter beschäftigen werden.

Zweite Pandemiewelle gefährdet Konjunkturerholung

Die volkswirtschaftlichen Daten aus den Vereinigten Staaten , aber auch aus China, haben sich im letzten Monat stetig aufgehellt. In den USA sind die Einzelhandelsumsätze nicht nur im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, sondern befinden sich absolut auch auf einem höheren Niveau als vor dem Ausbruch der Coronakrise. Ebenso sind die Rückmeldungen von klein und mittleren US-Unternehmen positiv. Dies zeigt sich nicht nur beim Optimismus der befragten Firmen, sondern auch deren Bereitschaft, wieder neue Arbeitskräfte einzustellen. Das Stimmungsbarometer befindet sich bereits wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Das positive Umfeld wurde letzte Woche mit den US-Vorlaufindikatoren in Form der Einkaufmanagerindizes (PMIs) abgerundet. Nicht nur der amerikanische Dienstleistungssektor präsentierte sich mit einem Wert von 56.0 Punkten in relativ starker Verfassung, sondern auch der Indikator für das verarbeitende Gewerbe notiert mit 53.3 Zählern deutlich über der wichtigen Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In China vermochten die neusten Daten aus dem Einzelhandel sowie zum Bruttoinlandprodukt ebenfalls zu überzeugen. Für die ersten drei Quartale 2020 weist die zweitgrösste Volkswirtschaft bereits wieder ein Wachstum im Vergleich zum Vorjahr aus. 

Die wirtschaftliche Erholung wird nun aber durch die zweite Pandemiewelle herausgefordert. In den letzten Tagen und Wochen mussten wir einen starken Anstieg der Covid-19-Fallzahlen beobachten. Es ist aus unserer Sicht nicht zielführend, diese zweite Welle mit der ersten Ausbreitung des Coronavirus im Frühling 2020 zu vergleichen. Einerseits standen damals nicht die Testkapazitäten zur Verfügung, über die wir heute verfügen, noch ist der Wissensstand in Bezug auf das Coronavirus vergleichbar. Zudem sind wir im Vergleich zur ersten Welle womöglich rund sieben Monate näher an einem möglichen Impfstoff. Was hingegen die Nerven der Anleger zusätzlich beunruhigen dürfte, ist die nun auf der Nordhalbkugel beginnende Grippesaison. Dies könnte in Kombination mit der Coronakrise zumindest kurzfristig die Wirtschaftsdynamik lokal zusätzlich in Mitleidenschaft ziehen. Dabei könnte es durchaus zu einem doppelten «Slowdown» kommen. Einige Staaten, vor allem in Europa, werden zu einem teilweisen «Lockdown» mit zusätzlichen Beschränkungen, wie beispielsweise einer frühen Sperrstunde, übergehen, um damit einen kompletten «Lockdown», wie wir ihn im Frühling erlebt hatten, zu vermeiden. Dieser Zustand könnte die Wirtschaftsaktivität, die sich im Sommer erholt hat, kurzfristig wieder ausbremsen und zu einer Konjunkturdelle führen, die sich wie ein «Mini-Slowdown» anfühlen könnte. Die meisten Staaten werden deshalb versuchen, um jeden Preis einen zweiten, grossflächigen «Lockdown» zu verhindern, da dies wohl nur mehr schwer zu finanzieren wäre. Auf jeden Fall wird das Nervenkostüm der Anleger in den nächsten Wochen weiterhin strapaziert.

«Showdown» im «Slowdown»

In dem beschriebenen komplexen Umfeld mit einem potenziellem «Slowdown» kommt nun der «Showdown» im US-Wahl-kampf hinzu. Laut den jüngsten Prognosen hat der demokratische Herausforderer Joe Biden nach wie vor die besten Karten, sei dies nun in den Umfragewerten oder bei den Buchmachern. Zentral für Investoren bleiben aber auch die Mehrheitsverhältnisse im amerikanische Parlament. Entscheidend ist hierbei vor allem, wer die Mehrheit im US-Senat stellt. Dies insbesondere im Hinblick auf das nach wie vor in der Schwebe hängende zweite Corona-Fiskalpaket. Zudem wird die neue Zusammensetzung auf dem Capitol Hill auch bestimmen, mit wieviel Freiheit bzw. Flexibilität Joe Biden im Falle eines Sieges regieren könnte. Im derzeitig republikanisch dominierten Senat bleibt das Rennen äusserst knapp. Der Kapitalmarkt scheint sich aber in den letzten Tagen für eine «blaue Welle», d.h. die Demokraten gewinnen das Weisse Haus und stellen die Mehrheit im Senat, positioniert zu haben. Bereits in sechs Tagen kommt es zum lange erwarteten «Showdown» und dann werden wir (hoffentlich) Klarheit haben. Ein knapper Wahlausgang, resp. eine juristisch angreifbare Pattsituation steht weiter im Raum und stellt für die Finanzmärkte das schlechteste Szenario dar.

Anlagestrategie – Geduld ist gefragt

Bis zum «Showdown» ist nun Geduld gefragt, aber die kommenden Tage und Wochen sollten mehr Klarheit in Bezug auf die zweite Pandemiewelle liefern. Dies hat zur Folge, dass wir für den Moment unser Risiko nicht erhöhen und die Liquidität hochhalten. Vermögensübergreifend bleibt der Obligationenbereich unattraktiv und wir bevorzugen Aktien gegenüber dem Anleihenbereich. Der Fokus liegt bei Aktien auf der Selektion, wir fahren eine Barbellstrategie, wobei wir einerseits Unternehmen favorisieren, die vom langfristigen Digitalisierungstrend profitieren und andererseits auf Firmen setzen, die durch die diversen Fiskalpakete innerhalb der Eurozone begünstigt werden. Gold bleibt attraktiv und ist für uns ein langfristiger Eckpfeiler in einem Privatkundenportfolio. 

 

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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